Offenbachs «Belle Hélène» in Straßburg
Es gehört zum Wesen guter Operetten, dass sie inhaltlich Gewichtiges ungestraft verlachen. An der elsässischen Opéra national du Rhin hat Regisseurin Mariame Clément diesen Nerv von Offenbachs «La belle Hélène» getroffen, indem sie die Handlung vom Mythos der Antike durch einen Mythos unserer Tage ersetzte – das Hollywood der zwanziger Jahre (opulente Ausstattung: Julia Hansen). Die charmante Verharmlosung einer Gegenwart, die sich am besten in der Parodie der Vergangenheit wiedererkennen lässt, gelingt rundum.
So wird aus der schönsten Frau des klassischen Altertums «die Göttliche» der Kinoleinwand: Filmausschnitte mit Greta Garbo und nachgedrehte Videoprojektionen (fettFilm) ergänzen und illustrieren das turbulente Geschehen überaus amüsant. Im Graben trifft Claude Schnitzler am Pult des Orchestre symphonique de Mulhouse die musikalische Parodie ebenso wie jene Passagen, mit denen Offenbach dem Drame lyrique schon sehr nahe steht. Stéphanie d’Oustrac singt und spielt die Grande Dame Helena nach allen Regeln der Kunst, Yann Beuron bewältigt die heikle Partie des Paris mit beweglichem Mozart-Tenor. Fazit: einer der selten gewordenen Abende, der beweist, dass Operette noch ...
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