Die Musik verteidigen
Selbst von den Opernfreaks, die jeden Sommer nach Aix-en-Provence reisen, wissen es nur wenige: Neben den großen Festspielen gibt es dort eine kleine, feine Videothek. Die biedert sich gar nicht erst mit jener Konsumware der Marke Bocelli oder Open-Air-Classics an, die international die Regale der Plattenläden vollmüllt. Stattdessen setzt sie auf die Geschichte von Aix, auf historische Aufnahmen. Man kann beispielsweise eine Sängerin bestaunen, die hier schon auftrat, lange bevor sie auf den Opernbühnen der Welt um papierene Zigarettenfabriken gurrte.
Teresa Berganza, später Carmen vom Dienst, sang in Aix anno 1961 die Dorabella – umringt von einem famosen «Così fan tutte»-Ensemble, zu dem Teresa Stich-Randall, Luigi Alva und Rolando Panerai gehörten. Der Dirigent war ein Newcomer, hatte aber schon dieselben forsch-fordernden Tempi wie später: Michael Gielen.
Diese Dorabella von Teresa Berganza nimmt viele ihrer späteren Glanzpartien vorweg. Sie ist in ihrer Selbstgewissheit die kleine Schwester der Carmen, in ihrer Lust am Sichentdecken eine Doppelgängerin des sehnsuchtsgebeutelten Cherubino. Und in der feinen Lasur der Koloraturen wie in der fädenspinnenden Dominanz ihrer ...
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