Charlottes Triumph
Als wär’s ein von Magritte gemalter Meteorit, liegt inmitten der Puppenstuben-Idylle ein großer Stein, auf dem die Titelfigur thront – am Schreibtisch. Regisseur und Ausstatter Jürgen Rose hat dieses Bild der Isolation sinnig erdacht, doch szenisch glaubhaft wird es nicht. Denn das Zeichen für die Omnipräsenz des Briefdichters würde erst Sinn machen, wenn er immer auf der Bühne wäre – wie die Senta in Harry Kupfers Bayreuther «Holländer». Aber dazu ließ sich Startenor Marcelo Alvarez offenbar nicht überreden.
Was er an Hände-tief-ins-Gesicht-Graben, Armrecken, Armrudern und Grimassieren demonstrierte, kann man nur regieresistent nennen. Nichts blieb von Goethes und Massenets Empfindsamkeit, nichts von zarter Schwärmerei, nichts vom Wechsel zwischen Glückseligkeit und Lebensüberdruss. Nichts auch von französischer Idiomatik. Stattdessen auch im Singen permanent Leidenschaft pur. Die freilich liegt Alvarez.
Was für eine großartige Partnerin hatte er in Sophie Koch! Wie sie als Charlotte mit einer kleinen Drehung des Körpers, einer Geste, einem Blick die unausgesprochene Abneigung zum vorbestimmten Gatten ausdrückt, wie sie im dritten Akt von der Sorge um ihren Geliebten und ...
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Die Uraufführung von Mozarts «Idomeneo» (1781) ging beinahe auf den Tag genau sieben Jahre vor der britischen Kolonisierung Australiens über die Bühne. Wenn sich die Pinchgut Opera in Sydney dieses Stücks angenommen und dessen Aufführung zu einem wichtigen Ereignis der australischen Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag des Komponisten gemacht hat, so ist dies auch...
Die «Hänsel und Gretel»-Inszenierung von Katharina Thalbach war zunächst als zuckersüßes Vorweihnachtsvergnügen angelegt. Die fantasievoll-üppigen Bilder Ezio Toffuluttis boten einen veritablen Augenschmaus, den man harmlos nennen kann, der das Opernerlebnis aber durchaus intensivierte. Überzeugend geriet dann jedoch die Balance zwischen dieser gefälligen Seite...
24. Februar 1607. Geburtsstunde der Oper. An diesem Tag wurde am Hof der Herzöge von Mantua die «Favola d’Orfeo» uraufgeführt. Monteverdis Vertonung des Orpheus-Stoffes war zwar nicht die erste – die «Euridice» von Peri und die von Caccini gingen sieben bzw. zwei Jahre zuvor in Florenz über die Bühne –, doch erst bei Monteverdi wird der singende Mensch, wird seine...
