Charlottes Triumph
Als wär’s ein von Magritte gemalter Meteorit, liegt inmitten der Puppenstuben-Idylle ein großer Stein, auf dem die Titelfigur thront – am Schreibtisch. Regisseur und Ausstatter Jürgen Rose hat dieses Bild der Isolation sinnig erdacht, doch szenisch glaubhaft wird es nicht. Denn das Zeichen für die Omnipräsenz des Briefdichters würde erst Sinn machen, wenn er immer auf der Bühne wäre – wie die Senta in Harry Kupfers Bayreuther «Holländer». Aber dazu ließ sich Startenor Marcelo Alvarez offenbar nicht überreden.
Was er an Hände-tief-ins-Gesicht-Graben, Armrecken, Armrudern und Grimassieren demonstrierte, kann man nur regieresistent nennen. Nichts blieb von Goethes und Massenets Empfindsamkeit, nichts von zarter Schwärmerei, nichts vom Wechsel zwischen Glückseligkeit und Lebensüberdruss. Nichts auch von französischer Idiomatik. Stattdessen auch im Singen permanent Leidenschaft pur. Die freilich liegt Alvarez.
Was für eine großartige Partnerin hatte er in Sophie Koch! Wie sie als Charlotte mit einer kleinen Drehung des Körpers, einer Geste, einem Blick die unausgesprochene Abneigung zum vorbestimmten Gatten ausdrückt, wie sie im dritten Akt von der Sorge um ihren Geliebten und ...
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Schon oft fuhr sich ein Blitzkrieg in einem langwierigen Stellungskampf fest. Für die Eröffnung der Saison am Teatro alla Scala mit Giuseppe Verdis «Aida» besitzt der Vergleich eine gewisse Gültigkeit. Intendant Stéphane Lissner zog aus, die Scala im Sturm zu erobern, und muss feststellen, dass die Beharrungskräfte nicht so leicht zu überwinden sind. Riccardo...
Würde man die neue «Carmen» in Covent Garden an der Zahl der Hintern messen, die sie auf die Stühle des Royal Opera House lockt, müsste man sie einen spektakulären Hit nennen. Francesca Zambellos Inszenierung gibt dem Publikum Zucker, die Produktion wird sich zweifellos als ebenso langlebige wie profitable Repertoire-Nummer bewähren.
Macht man das Urteil indes an...
Man wusste, dass Werner Hollweg an einer schweren Krankheit litt, für die die Medizin noch keine heilenden Mittel bereithält. Doch wenn dann die Nachricht vom Tod kommt, bleibt die Erschütterung über das Ende gleichwohl schmerzlich, weil sich mit dem Abschied zugleich unvergessene Abende in die Erinnerung drängen. Werner Hollweg, am 13. September 1936 in Solingen...
