Vor dem Durchbruch
Kurz vor den Proben zu Francesco Cavallis «Giasone» an der Oper Frankfurt ist die Regisseurin Anouk Nicklisch unerwartet verstorben. Im Gespann mit dem Intendanten Georges Delnon und häufig auch mit dem Bühnenbildner Roland Aeschlimann hatte Nicklisch am Stadttheater Koblenz sowie am Mainzer Staatstheater zahlreiche eigenwillige Inszenierungen erarbeitet: Mozarts «Entführung», Glucks «Orfeo» und eine hochästhetische «Lucia di Lammermoor» (alle drei mit der Sopranistin Simone Kermes) setzten in Koblenz Musiktheater-Maßstäbe, die dort seither nicht mehr erreicht wurden.
Auch den weiteren Weg der in der Schweiz geborenen Künstlerin überspannt ein Bogen von sorgfältig vorbereiteten Ausgrabungen und ambitionierten Interpretationen des Standardrepertoires: In Mainz realisierte Anouk Nicklisch Beethovens «Leonore», Dostals «Clivia», Donizettis «Liebestrank», Righinis «Don Giovanni tenorio» und Puccinis «Tosca». Als das Mainzer Theater saniert wurde, schuf sie 2001 in der Ausweichspielstätte – einer alten Produktionshalle – eine Inszenierung der Strauss’schen «Salome» im schneckenhausartigen Bühnenbild von Ulrich Schulz, die zum Packendsten zählt, was Regisseuren während der vergangenen ...
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