Obdachlos

Opernwelt - Logo

Zunächst ist da die Trauer über die beträchtliche Anzahl an aktiven oder in den Ruhestand getretenen Künstlerinnen und Künstlern und Bühnenmitarbeiterinnen und Bühnenmitarbeitern der amerikanischen Opernhäuser, die wir in diesem bizarren, tragischen Jahr durch Covid verloren haben – darunter Kammersängerin Arlene Saunders und Dirigent Joel Revzen. Dann die traurige Tatsache, dass viele Künstlerinnen und Künstler und Angestellte wegen der ausgefallenen Vorstellungen und daraus resultierenden Einnahmeverluste ihre Wohnungen aufgeben mussten – manche auf Zeit, manche für immer.

Einige Kompanien fanden Mittel und Wege, um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zumindest teilweise weiterzubeschäftigen und zu versichern; andere, insbesondere die Metropolitan Opera, taten das nicht. Wie berichtet, verließen im April des vergangenen Jahres 40 Prozent der Orchestermusikerinnen und Orchestermusiker New York, zehn Prozent gingen in den Ruhestand. Die Vertragsverhandlungen mit dem Met-Orchester verliefen ergebnislos, sogar dann noch, als die Met Produktionen strich und – mithilfe der von Trump initiierten Visa-Komplikationen – ausländische Künstlerinnen und Künstler wieder auslud.

Einige sehr ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 132
von David Shengold («Opera News», «Time Out», New York)

Weitere Beiträge
Alles digital

Es war eine Theaterspielzeit, in der es viel Theater ums Theater gab, bei dem es zuerst um die Relevanz von Kultur ging, die in dem von der Politik verlautbarten Ranking zum Entsetzen des ganzen Betriebs irgendwo weit hinten kurz vor den Bordellen rangierte. Unter künstlerischen Aspekten ist diese Spielzeit kaum zu werten, weil die längste Zeit nur digitale...

Fremde sind wir uns selbst

Sie ist die vermutlich faszinierendste mythisch-mystische Figur der Kulturgeschichte: Medea, die zauberkundige, liebende, hassende, schließlich rasende Königstochter aus Kolchis. Mehr als 300 Anverwandlungen in Literatur, Bildender Kunst und Musik(theater) haben versucht, ihr Wesen, ihre Andersartigkeit, die schillernde Psychologie dieser Figur zu ergründen, und...

Erotik, Metrik, Akrobatik

Sie konnten nur selten miteinander, vor allem aber nicht ohne einander. Seitdem es die Gattung Oper gibt, suchten Komponisten (gerne auch mal verzweifelt) nach Librettisten, die geeignet waren, ihre (also: der Komponisten) Visionen mit Text gleichsam zu «unterfüttern», zu beleben, zu erleuchten. So manches Genie war darunter, man denke nur an den großen Metastasio...