Alles digital

Es war eine Theaterspielzeit, in der es viel Theater ums Theater gab, bei dem es zuerst um die Relevanz von Kultur ging, die in dem von der Politik verlautbarten Ranking zum Entsetzen des ganzen Betriebs irgendwo weit hinten kurz vor den Bordellen rangierte. Unter künstlerischen Aspekten ist diese Spielzeit kaum zu werten, weil die längste Zeit nur digitale Angebote herauskamen, live oder on demand, kostenfrei oder gegen mitunter gesalzene Gebühren.

Aber die wirklich gut finanzierten Häuser wie etwa die Bayerische Staatsoper konnten schlagkräftig reagieren und qualitativ halbwegs akzeptable Streamings anbieten.

Die kleineren Häuser boten zum Teil originelle kleinere Formate digital an. Kurz vor dem zweiten Lockdown gab es noch ein paar wenige sehr überzeugende Corona-gerechte Live-Aufführungen, etwa in Nürnberg («L’Orfeo») und Mannheim (Uraufführung von «Dark Spring»), die aus den Einschränkungen ästhetischen Gewinn zogen.

Besonders mutig waren im vergangenen Sommer und dieses Jahr an Pfingsten die Salzburger Festspiele, weil sie die ersten waren, die mit ausgefeiltem Hygienekonzept schon in der ersten Welle bewiesen, dass man sowohl ohne Abstandsregeln arbeiten kann (mit massiver ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 117
von Regine Müller («WDR», «taz», «NZZ», Düsseldorf)

Weitere Beiträge
Permer Perspektiven

Im Unterschied zu Europa nimmt Russland die Zahl der an Corona Erkrankten und der Todesfälle nicht zur Kenntnis. Die Theater spielen schon lange wieder vor halb besetzten Häusern, und die Zuschauerinnen und Zuschauer tragen schon lange keine Masken mehr, ohne sich dafür zu schämen.

Während des Lockdowns waren die Streamingangebote für die Opernfans die größte...

Warten auf Godot

Das öffentliche Interesse war enorm, als Markus Gabriel, damals der neue Star am deutschen Philosophenhimmel, 2013 ein Buch mit dem Titel «Warum es die Welt nicht gibt» schrieb. Allein die Vorstellung, diese Welt, wie wir sie kennen, existiere nicht, sorgte für erheblichen Diskussionsstoff. Dass Gabriels Theorem, das natürlich ein trick­reiches war, weil es nur...

Erfinderisch

Blicken wir zurück. Am 14. März 2020 feierte die English National Opera (ENO)  die Premiere einer Neuproduktion von Mozarts «Le nozze di Figaro». Bereits die zweite Vorstellung wurde gestrichen, ebenso der Rest der Spielzeit. Das Royal Opera House (ROH) brachte am 1. März 2020 einen umjubelten neuen «Fidelio» heraus. Nach sechs weiteren Vorstellungen fiel die...