Nicht zu fassen, dieser Schubert
Einen Liederzyklus von Franz Schubert mit dem Titel «Poetisches Tagebuch» gibt es nicht, wohl aber neun Einzellieder auf Texte des jung verstorbenen romantischen Dichters Ernst Schulze, die Schubert der posthumen Ausgabe von dessen «Poetischen Tagebuch» entnahm. Nur zwei dieser Lieder hat Schubert zu einem Liederheft mit eigener Opuszahl zusammengefasst, darunter «Auf der Bruck» D 853, das gemeinsam mit «Im Frühling» D 882 zu den bekanntesten dieser Lieder, wenn nicht Schuberts überhaupt zählt.
Es ist von großem Reiz, die neun Lieder einmal als Gruppe wahrzunehmen, denn in ihnen sind hier und da bereits Vorboten der «Winterreise» zu vernehmen, besonders eindrücklich in «Über Wildemann» D 884. Christoph Prégardien und Julius Drake lassen in ihrer intensiven und detailgenauen Interpretation diese Nähe spüren. Auch wenn Prégardiens Stimme mittlerweile etwas herbstlich klingt und so mancher Ton recht spröde gerät, beeindruckt seine Gestaltungskunst nach wie vor. Wie nur wenige Liedsänger versteht er die Musik als Trägermedium des Worts. Selbst bei einem so melodischen Lied wie «Im Frühling» ist es die Sprache, die Klang und Phrasierung formt und jeden Anflug von Wunschkonzertseligkeit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Thomas Seedorf
Es war ein Sängerfest, als sich 2011 fünf Countertenöre – Philippe Jaroussky, Max Emanuel Cencic, Franco Fagioli, Valer Sabadus und Yuriy Mynenko – erst im Aufnahmestudio, dann auf der Bühne und schließlich für eine Tournee zusammenfanden, um Leonardo Vincis letzte, 1730 in Rom uraufgeführte Oper «Artaserse» nach über zweihundertjährigem Archivschlaf...
Es gab eine Zeit, da schlug kein Star am Wagner-Himmel eine Gelegenheit zum Auftritt in Buenos Aires aus. Lotte Lehmann, Lauritz Melchior, Birgit Nilsson oder Wolfgang Windgassen – sie alle gastierten am Río de la Plata. Heute scheint das kaum mehr vorstellbar. Auch wenn sich das Teatro Colón inzwischen wie die Gralsgemeinschaft im «Parsifal» zu erneuern sucht –...
JUBILARE
Sie begann ihre Laufbahn als Sängerin im Alter von 18 Jahren als Solistin mit dem Roger Wagner Chorale in Los Angeles. Auf der Opernbühne debütierte die gebürtige Kalifornierin Carol Neblett 1969 mit der New York City Opera als Musetta in Puccinis «La Bohème». Während der folgenden fünf Jahre trat sie in mehr als 25 Partien mit der Kompanie auf, u. a. als...
