Mythos – demaskiert

Strassburg : Opéra national du Rhin: Wagner: Götterdämmerung

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Kein Regisseur ist schlecht beraten, den «Ring des Nibelungen» vom Ende her zu denken. Wagners gewaltige Tetralogie endet ja nicht einfach mit einer der opernüblichen, kleinen zwischenmenschlichen Katastrophen; sie stellt ganz unbescheiden die Frage nach der Zukunft einer Gesellschaft vor dem Hintergrund von deren absolutem Niedergang.

David McVicar gelangt an der Straßburger Rheinoper zu einer überzeugenden, ja vielleicht der überzeugendsten Lösung der vergangenen Jahre.

Nachdem die – visuell einnehmenden – Flammen des Weltenbrands in viel Bühnenqualm erstickt sind und sich eine dunkle Zwischenwand vor das Geschehen schiebt, tänzelt ein halbnackter Mann mit Goldmaske auf die Bühne. Begleitet von den Hoffnung suggerierenden Klängen des sogenannten «Erlösungsthemas» wird er diese Maske in einem Lichtkegel ablegen und sich mit expressiver Gestik zu den Schlussakkorden zurückziehen. Ein doppelbödiger Schluss. Denn der Aussage, dass das Schauspiel des Lebens zu Ende ist, steht eine andere, kontroverse und viel wichtigere gegenüber: Es kann weitergehen, aber nur dann, wenn wir unsere Masken ablegen, wenn wir unser Ich nicht weiter hinter einem künstlichen Gesicht verbergen. Der Mythos ...

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Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Alexander Dick

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