Mit Herzblut und Mutterwitz
Es sah nach einer Notlösung aus. Denn eigentlich sollte und wollte sich Christof Schlingensief, später dann Sebastian Hartmann an der Berliner Staatsoper mit Busonis «Doktor Faust» produktiv herumschlagen. Nachdem beide aus unterschiedlichen Gründen ausgeschieden waren, recycelte Peter Mussbach seine 1999 für Salzburg entstandene, später auch an der Met gezeigte Traumdeutung in den Räumen von Erich Wonder. Deren Problematik wurde in dieser Zeitschrift bereits ausführlich dargestellt (siehe OW 9-10/99), und sie ist durch den zeitlichen Abstand nicht kleiner geworden.
Dass es dann doch keine Notlösung wurde, lag an den musikalischen Trümpfen des Hauses. Daniel Barenboim, der in Berlin schon Busonis «Brautwahl» vorgestellt hat, und die prächtig aufgelegte Staatskapelle lassen sich mit Herzblut und Mutterwitz auf Busonis späte, von vorne bis hinten mit rigidem Kunstanspruch durchtränkte Mammutpartitur ein.
Sie reklamieren sie keineswegs kühl und eindeutig für die musikalische Moderne, wie einst Kent Nagano in Salzburg. Stattdessen lassen sie Wagner’sche «Götterdämmerungs»-Farben fahl aufleuchten und gelegentlich auch mal Weltuntergangspathos krachen: Dass Busoni sich von der Last der ...
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