Bewegendes Bewegungstheater
Ein spitzwinkliges Dreieck läuft von der Spielfläche auf die knapp darunter sitzenden Orchestermusiker zu. In diesem Zipfel spielt ein Kind, schon bevor die mysteriösen Gähn- und Schlaflaute aus den tiefen Streichern ertönen, und bastelt sich langsam ein Schiffsmodell zusammen. Es ist der Lustknabe, Streitobjekt zwischen Elfenkönigin Titania und ihrem Oberon.
Am Ende, nachdem er längst durch den Einsatz des Zauberkrauts dem Elfenherrscher (ein leichtes Röckchen deutet die unsichere sexuelle Identität des Countertenors an) zugefallen ist, wird er dem zur Hochzeit bereiten Herrscherpaar Theseus (Sami Luttinen) und Hippolyta (Monique Simon) zugeschlagen. Das unterstellt diesem eine sexuelle Vorgeschichte, obwohl es erst nach langem Kampf zueinander fand.
Mit solch dezenten Mitteln deutet der kanadische Regisseur David Walsh an, dass hinter Benjamin Brittens staunendem Kinderblick auf Shakespeares «Sommernachtstraum» mehr steckt, als Schulweisheit sich träumen lässt. Zu weiteren Andeutungen gibt die Düsseldorfer Inszenierung aber keinen Anlass. Auf der bescheiden von Barbara Pral mit einer großen Kiste als zentralem Versatzstück ausgestatteten Bühne des als Behelfsbühne dienenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ihre Antworten sind so unmissverständlich wie ihre Art, Musik zu machen: «Es gibt keine Spezialisten und Nicht-Spezialisten, es gibt nur Stimmen, die passen, und Stimmen, die nicht passen.» Damit sind alle weiteren Fragen, warum Emmanuelle Haïm sich vor Jahresfrist für Ian Bostridge als Orfeo und nun für Rollando Villazón als Testo im «Combattimento di Tancredi e...
Noch stehen ein paar Bauzäune um Santiago Calatravas «Palau des les Arts Reina Sofía» in Valencia. An Maschengittern hängen große Plakate, darauf ein Mädel im Biedermeier-Kostüm, energisch die Arme ausbreitend: «Shhhh ... comienza la ópera». Also doch. Vor einem Jahr, bei der «offiziellen Eröffnung» mit einem Galakonzert, konnte bloß ein kurzer Blick in jene...
Eine Neuinszenierung der «Zauberflöte», das bedeutet den Ernst- und Problemfall einer Opernaufführung schlechthin. Sogar für Hans Neuenfels. In Berlin hatte der Altmeister des Opernskandals immer Glück. Nach einschlägigen Erfahrungen in Frankfurt fand er mit Verdis «Forza del destino» 1982 an der Deutschen Oper den Schlüssel für seine Zukunft: Unter all seinen...
