Aus und vorbei
Doppelte Premiere in Wien: Noch nie war Leos Janáceks «Vec Makropulos» an der Staatsoper zu sehen – nur an der Volksoper hatte Christine Mielitz die Oper 1993 in deutscher Sprache inszeniert. Sein Hausdebüt feierte auch Peter Stein, von dem bislang nur die Übernahme von Verdis «Simon Boccanegra», den er für die Salzburger Osterfestspiele inszenierte hatte, an der Staatsoper zu sehen war.
Umso gespannter wurde diese Neuproduktion erwartet, zumal die Struktur eines Konversationsstücks – «Vec Makropulos» basiert auf einer Komödie von Karel Capek – dem Schauspielregisseur Stein eigentlich entgegenkommen sollte.
Die Crux der 1923 entstandenen Oper ist die verworrene Geschichte, der des Tschechischen nicht mächtige Zuschauer nur schwer folgen können: Die Sängerin Emilia Marty, alias Elina Makropulos, ringt mit ihrem nahenden Tod, den sie eigentlich schon 300 Jahre zuvor hätte erleiden können. Doch damals entwickelte ihr Vater, der Leibarzt Rudolfs II., ein Jungbrunnenelixier, um dessen Wiederbeschaffung Elina ringt, als die Wirkung des Trunks nachzulassen beginnt. Zumindest in der aufgewühlten Musik Janáceks lässt sich nachvollziehen, wie nahe Euphorie und Verzweiflung im Gemütsleben der ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Reinhard Kager
Der Mann im rotbraunen Samtsakko mit Fliege zündet sich zum Schluss genüsslich einen Glimmstengel an und hört mit sarkastischem Lächeln, wie die anderen ihn verabschieden. «Questo è il fin di chi fà mal», dies sei das Ende von jemandem, der Böses tue, behaupten sie. Weswegen der Mann im Samtsakko (es ist, erraten, Don Giovanni) sie dann auch in den Orkus schickt....
Auf das 24-Stunden-Spektakel hat er inzwischen keine Lust mehr. Alle vier «Ring»-Teile am Stück, zuletzt beim erfolgreichen China-Gastspiel im Herbst riskiert, das zehrt. Und trotzdem: Wagners Tetralogie, mit der einst alles begann im Dorf unterm Kranzhorn, bleibt das Rückgrat der Tiroler Festspiele. «Ich wäre doch ein idiotischer Intendant, wenn ich nicht darauf...
Die schwebende Kantilene des Vorspiels, mit der Verdi Liebe und Tod der Violetta auf den Plan ruft, lässt Daniel Barenboim von den vierfach geteilten Streichern fein schattiert auftragen. Und er fügt den Phrasen eine Emphase des Seelischen hinzu: So nachdrücklich im An- und Abschwellen der Töne hört man das Preludio selten. Auf der Bühne begibt sich währenddessen...
