Assoziationen, Beziehungen, Analysen

Der Tenor Ian Bostridge beleuchtet Schuberts «Winterreise» von vielen Seiten – als umfassend gebildeter Historiker

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Ian Bostridge ist nicht der erste Liedersänger, der sich als Autor profiliert. In Lotte Lehmann, Charles Panzéra, Aksel Schiøtz, Pierre Bernac und nicht zuletzt Dietrich Fischer-Dieskau hat er prominente Vorgänger, die sich auch schriftstellerisch mit dem Gegenstand ihrer Kunst befasst haben. Dabei kommt es dem englischen Tenor nicht so sehr darauf an, seinem Publikum zu erklären, was er als Sänger tut.

Gewiss greift er auf die Erfahrungen eines Künstlers zurück, der Schuberts «Winterreise» während der letzten 20 Jahre mehr als 100-mal im Konzert gesungen hat und dadurch immer tiefer in die musikalischen Geheimnisse, die emotionalen Abgründe, aber auch die existenziellen Voraussetzungen dieser Lieder eingedrungen ist. Doch sein Hauptinteresse gilt dem Ziel, das kulturgeschichtliche Beziehungsnetz hinter den einzelnen Liedern des Zyklus zu entschlüsseln – seine Ursprünge, seinen historischen Kontext, die vielfältig nuancierten Stimmungen und Gefühle freizulegen und ihn biografisch, literarisch, politisch, psychologisch von allen Seiten zu beleuchten. Der Leser benötigt keine musikwissenschaftliche Vorkenntnisse. Er sollte nur eine der vielen Aufnahmen des Zyklus – ich empfehle ...

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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Uwe Schweikert

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