Magie erkunden
Musik soll Menschen verbinden können, über Zeiten und Räume hinweg, also zeit- und grenzenlos sein. So zumindest lauten naiver Wunschtraum und wohlmeinendes Vorurteil; auch der Glaube an eine angeblich sprachähnliche Verständlichkeit drückt sich landläufig so aus. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus.
Die Spaltung zwischen «E» und «U» hat sich – trotz der Behauptung einer (furchtbaren) «Neo-Klassik» – wohl vertieft, zumal jüngere Musikliebhaber weniger auf «Klassik» fixiert zu sein scheinen, trotz der allgegenwärtigen digitalen – ja, fast immer sogar kostenlosen – Verfügbarkeit. Aber selbst hier nehmen die Abschottungsmechanismen überhand: Das Wissen über das Kern-Repertoire des 18. und 19. sowie des frühen 20. Jahrhunderts nimmt ab, zumindest im Bereich Konzert, während im Musiktheater die Vielfalt hinsichtlich der Aufführungspraxis eher zunimmt.
Bei den Komponisten gibt es ein Doppel-Schisma: zwischen denen der «absoluten» (Instrumental-)Musik und der «angewandten» Musik für Bühne oder Film sowie zwischen Stück- und Textautoren. Wobei Helmut Lachenmann nicht nur keineswegs als Opernkomponist firmiert, sondern auch mit der gleichen radikalen Intensität, mit der er komponiert, ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard R. Koch
Sant’ Andrea della Valle, Palazzo Farnese, Engelsburg: Wer könnte diese ikonografischen Orte nicht sofort vor seinem inneren Auge abrufen, wenn er von «Tosca» hört? Und wie sollte, im Rom um 1800, die Handlung anders ablaufen als von Puccini und seinen Librettisten notiert? Aber ist «Tosca» ein derart «veristisches» Werk, dass es der Originalschauplätze überhaupt...
Wenn unser Geigenlehrer selig, ein Engel an Geduld, genug hatte von unserem Gekratze, floh er gerne in eine erträumte Solokarriere: Er gab für uns Schüler den Virtuosen. Dabei warf er sich vor allem Isaac Albéniz an die Brust; sein erklärtes Lieblingsstück war «Asturias» aus der «Suite española» op. 47 in der Fassung für Solo-Violine – heute einem breiteren...
Wer die Schönheit sucht, wird in den Filmen dieses Künstlers nur fündig, wenn er sich auf eine lange Reise begibt, vom Licht ins Dunkel. Filme von Michael Haneke sind eine Zumutung. Sie verstören, sie sind – dafür genügt es schon, allein «Funny Games» von 1997 anzuschauen – imstande, binnen zwei Stunden jeglichen Glauben an die Menschheit verlieren zu lassen. Sie...
