Magie des Augenblicks
Meist sitzt sie im Dunkel. Unbemerkt, fast möchte man meinen: unscheinbar. Aber gerade darin liegt ihre große Stärke: Dass sie sich zurückzieht auf die Position der Beobachterin, deren einziges Interesse es ist, die Blicke der anderen einzufangen, und dass sie imstande ist, diesen einen, flüchtig-konzentrierten Moment festzuhalten, in dem diese Blicke fokussiert sind – auf eine andere Person, auf einen Gegenstand, auf eine Situation; diese Sekunde, in der sich Entscheidendes ereignet, etwas, das vom Zuschauer fast nicht zu sehen und doch so wichtig für den Abend ist.
Theaterfotografie ist ein wenig wie ein Dinosaurier. Mit der rasanten, sich immer wieder beschleunigenden virtuellen Bilderwelt kann sie kaum mehr mithalten, dafür ist sie schlicht zu altmodisch, zu bedächtig, zu träge. Doch eben in dieser Langsamkeit liegt die Kunst, in diesem Nichtdarüber-Hinweggehen. Theaterfotografie besitzt, wenn sie gut gemacht wird, die Fähigkeit, mehr zu sein als ein Bild. Sie besitzt die Fähigkeit, eine ganze Gedankenwelt abzubilden.
Monika Rittershaus zählt in diesem «Fach», das im günstigsten Fall eine eigene Kunstform ist, seit Jahrzehnten zu den Besten. Sie weiß, wann sie auf den ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Jürgen Otten
Johann Sigismund Kusser war wie viele Musiker seiner Zeit ein Kosmopolit wider Willen, ruhelos hin- und hergetrieben zwischen den konkurrierenden Fürstenhöfen, kurzum: ein «weitgereister Musiker», wie die australische Musikologin Samantha Owens ihre 2017 erschienene Monografie betitelte. Mit vierzehn kam der im damals ungarischen Preßburg geborene Sohn eines...
Würde diese Oper nur wenige Minuten dauern, sie wäre ein Meisterwerk. Denn während dieser Zeit hört man den Chor der Geister, von links und rechts, respektive vorne und hinten (das Publikum sitzt verteilt auf einem Tribünen-L). Man hört ein Flüstern und Raunen, genau geführt, genau notiert, das klingt, als spräche, sänge der Wind, als wehten Worte durch den Raum,...
Die Welt nach Erath ist eine Scheibe, und ungefähr neun Zehntel davon gehören dem Orchester. Die Szene – immerhin ist die Geschichte des Untergangs von Troja und danach die von Liebe und Verrat in Karthago zu erzählen – findet fast ausschließlich auf dem schmalen Randstreifen statt. Daneben ist auf der einen Seite gerade noch Platz für jene sechs Harfen, die...
