Kasperletheater
Wenn die Schmuggler zu Beginn des dritten Akts auf einer wackligen Hängebrücke, umgeben von grobflächig bemalten Gebirgskulissen, so tun, als könnten sie ihre heiße Ware nur mit größter Mühe über die Berge hieven, denkt man unweigerlich an die Stummfilmästhetik von vor hundert Jahren. Mithin an jene Filmkomödien, in denen ein Buster Keaton todesmutig in schwindelerregender Höhe die Wolkenkratzer-Schluchten zu überwinden suchte. Trotz der stupenden Stunts schwang damals das Inszeniert-Sein des «Als ob» immer mit.
Wird der Slapstick nun auf die Bühne verlagert, sind die Vorgänge der Behauptung jenseits aller realistischen Nachahmung der Wirklichkeit nur noch erkennbarer; sie schwingen in jeder (letztlich artifiziellen) Geste mit und bergen besonderes Humorpotenzial. Da verwandelt sich dann selbst eine eigentlich ernste Oper zu einer Anleitung zum Lachen.
Herbert Fritsch weiß mit solchen Mechanismen kunstvoll zu jonglieren. Und in seinen Inszenierungen der Werke Offenbachs und Rossinis geht diese Rechnung meist gut auf, da der körperbetonte Witz, wie er einst von der Commedia dell’arte in die Opera buffa einzog, zu den grundlegenden Mitteln des Erzählens gehört. Nun gelangte Bizets ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Krause
Die Vision der Liebe, der Verständigung und des Verzeihens, die Goethes «Faust II» im himmlischen Chorus Mysticus krönt, beschreibt ein derart allumfassendes Prinzip des (die Titelfigur wie die ganze Welt) erlösenden Ewig-Weiblichen, dass die Bebilderung auf der Bühne sie wohl nur im Kitsch oder der Überzeichnung brechen kann. Ob Arrigo Boito das schon wusste?...
Die Augen, die Wangenknochen, die Bewegungen – es könnte eine Enkelin von Cher sein, gesegnet mit einer Stimme, hell, höhensicher, schlank, mit apartem Vibrato, die für Susanna oder Cleopatra taugt. Doch die Frau ist ein Kerl, wie alle hier, somit authentisch: Zur Zeit der Uraufführung 1729, als die Geistlichkeit ihre Mätressen schwängerte, verbot sie gleichzeitig...
FantasievollEines sind ihre Inszenierungen nie: langweilig. Lydia Steier steht für eine Regiekunst, die den jeweiligen Stoff stets ernsthaft durchdringt, ohne ihn moralisch zu verbiestern. Nun wagt sich die Luzerner Operndirektorin an Strauss’ Einakter «Salome» und gibt damit ihr Regiedebüt an der Opéra national de Paris. Wir fahren natürlich hin
Federführend
Sie...
