Kasperletheater

Bizet: Carmen HAMBURG | STAATSOPER

Opernwelt - Logo

Wenn die Schmuggler zu Beginn des dritten Akts auf einer wackligen Hängebrücke, umgeben von grobflächig bemalten Gebirgskulissen, so tun, als könnten sie ihre heiße Ware nur mit größter Mühe über die Berge hieven, denkt man unweigerlich an die Stummfilmästhetik von vor hundert Jahren. Mithin an jene Filmkomödien, in denen ein Buster Keaton todesmutig in schwindelerregender Höhe die Wolkenkratzer-Schluchten zu überwinden suchte. Trotz der stupenden Stunts schwang damals das Inszeniert-Sein des «Als ob» immer mit.

Wird der Slapstick nun auf die Bühne verlagert, sind die Vorgänge der Behauptung jenseits aller realistischen Nachahmung der Wirklichkeit nur noch erkennbarer; sie schwingen in jeder (letztlich artifiziellen) Geste mit und bergen besonderes Humorpotenzial. Da verwandelt sich dann selbst eine eigentlich ernste Oper zu einer Anleitung zum Lachen. 

Herbert Fritsch weiß mit solchen Mechanismen kunstvoll zu jonglieren. Und in seinen Inszenierungen der Werke Offenbachs und Rossinis geht diese Rechnung meist gut auf, da der körperbetonte Witz, wie er einst von der Commedia dell’arte in die Opera buffa einzog, zu den grundlegenden Mitteln des Erzählens gehört. Nun gelangte Bizets ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Luft nach oben

Anfangs wurde er von einigen Kolleginnen und Kollegen für einen Statisten gehalten. Dass ein derart gutaussehender Junge vortrefflich singen könne, dazu noch höchst anspruchsvolle Tenorpartien, schien beinahe undenkbar. Aber Jonathan Tetelman vermag es tatsächlich. Mit großem Erfolg verkörperte er beispielsweise an der Deutschen Oper Berlin den Paolo in Riccardo...

Von allem zu viel

Irgendwo in der amerikanischen Spießbürgerhölle: Claire, Lehrerin, Ehefrau, Mutter und mitten in der Midlife-Crisis, hört immer öfter ein quälendes, tiefes Summen: «The Hum», ein reales Phänomen, Anlass für zahllose (Verschwörungs-)Theorien – nun Ausgangspunkt für die Uraufführung von «The Listeners», die das Osloer Opernhaus zusammen mit den Kompanien in Chicago...

Buch des Monats: Eine intellektuelle Existenz

Über Carl Dahlhaus, den führenden Musikwissenschaftler seiner Zeit, schrieb sein Freund und Studienkollege Joachim Kaiser 1989 einen bewegt-bewegenden Nachruf. Dahlhaus, heißt es da, habe «mit dem Leben gezahlt dafür, eine intellektuelle Existenz führen zu wollen – um jeden Preis». Das klingt pathetisch nur für diejenigen, die Dahlhaus nicht kannten und sein Werk...