Kasperletheater

Bizet: Carmen HAMBURG | STAATSOPER

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Wenn die Schmuggler zu Beginn des dritten Akts auf einer wackligen Hängebrücke, umgeben von grobflächig bemalten Gebirgskulissen, so tun, als könnten sie ihre heiße Ware nur mit größter Mühe über die Berge hieven, denkt man unweigerlich an die Stummfilmästhetik von vor hundert Jahren. Mithin an jene Filmkomödien, in denen ein Buster Keaton todesmutig in schwindelerregender Höhe die Wolkenkratzer-Schluchten zu überwinden suchte. Trotz der stupenden Stunts schwang damals das Inszeniert-Sein des «Als ob» immer mit.

Wird der Slapstick nun auf die Bühne verlagert, sind die Vorgänge der Behauptung jenseits aller realistischen Nachahmung der Wirklichkeit nur noch erkennbarer; sie schwingen in jeder (letztlich artifiziellen) Geste mit und bergen besonderes Humorpotenzial. Da verwandelt sich dann selbst eine eigentlich ernste Oper zu einer Anleitung zum Lachen. 

Herbert Fritsch weiß mit solchen Mechanismen kunstvoll zu jonglieren. Und in seinen Inszenierungen der Werke Offenbachs und Rossinis geht diese Rechnung meist gut auf, da der körperbetonte Witz, wie er einst von der Commedia dell’arte in die Opera buffa einzog, zu den grundlegenden Mitteln des Erzählens gehört. Nun gelangte Bizets ...

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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Peter Krause

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