Luft nach oben

Jonathan Tetelman zeigt auf seinem Debütalbum mit italienischem und französischem Repertoire enormes Talent

Opernwelt - Logo

Anfangs wurde er von einigen Kolleginnen und Kollegen für einen Statisten gehalten. Dass ein derart gutaussehender Junge vortrefflich singen könne, dazu noch höchst anspruchsvolle Tenorpartien, schien beinahe undenkbar. Aber Jonathan Tetelman vermag es tatsächlich. Mit großem Erfolg verkörperte er beispielsweise an der Deutschen Oper Berlin den Paolo in Riccardo Zandonais dynamisch aufgeheizter D’Annunzio-Vertonung «Francesca da Rimini».

Für den chilenischen Sänger ist Paolo jener «vergessliche hübsche Junge, der herumhängt und Bücher liest», bis er (der für seinen Bruder bestimmten) Francesca begegnet und daraufhin entsprechend entflammt zu singen beginnt – eine womöglich etwas eigentümliche Charakterisierung für den erotischen Superhelden in einer Oper mit leicht präfaschistischem Einschlag. Aber genauso singt ihn Tetelman auch auf seinem Debütalbum, einer Melange aus Arien von Ponchielli, Giordano, Verdi, Flotow, Bizet, Cilea, Massenet, Mascagni, Puccini – und eben jenem «Francesca da Rimini»-Duett. 

Tetelman gebietet über einen hellen klaren, nach vorne gelagerten Tenorklang – absolut sauber in der piano geführten Kopfstimme, strahlend im überlang gehaltenen hohen C von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 33
von Bernd Künzig

Weitere Beiträge
Personalien, Meldungen 11/22

JUBILARE

Astrid Schirmer wurde am 8. November 1942 in Berlin geboren. Sie blieb zunächst ihrer Heimatstadt treu und studierte Gesang bei Elisabeth Grümmer. Bereits als junger Mensch sang sie Partien des jugendlich-dramatisches Faches (beispielsweise Leonore und Sieglinde); Engagements an den Häusern in Wien und Lyon folgten. In Patrice Chéreaus Bayreuther...

Herrscher und Knecht

Es ist der vielleicht größte Albtraum eines Kritikers. Man betritt den Zuschauersaal, doch die Sache läuft bereits. Besonders schlimm: alles ist fast schon vorbei. Anfang September wurde ein solcher Albtraum zur Beinahe-Realität. Das Luzerner Theater hatte (in Kooperation mit dem Lucerne Festival) Béla Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» angesetzt – als...

Wassermusik

Mögen sie einander auch in noch so intimer Abneigung verbunden sein: Ein Duell unter Edelmännern setzt die Wahl der gleichen Waffen voraus. Das gilt im wahren Leben wie in der Kunst. Also lässt Giorgio Battistelli für «Orazi e Curiazi», jene Kostbarkeit des Instrumentalen Theaters, zwei Schlagzeuger aufeinandertreffen, deren perkussives Instrumentarium nahezu...