CD des Monats: Namenlose Freude
Ein «Sorgenkind» war «Fidelio» nicht nur für den Komponisten selbst. Auch die Nachwelt, vor allem die inszenierende, hat sich an diesem Stück die Zähne ausgebissen, insbesondere an der schier unauflösbaren Dichotomie aus (heiter-hellem) Singspiel und (dämonisch-dunklem) Drama. Zu wenig bewältigt schien die formale Frage, zu groß der Unterschied der «Strömungen», um Beethovens einzige Oper unter einen Hut zu bekommen. Und das nicht nur aus gattungstechnischen Gründen.
Allein das Libretto von Joseph Sonnleithner, eine Umformung und Transkription von Jean-Nicolas Bouillys Schauspiel «Leonore», zeichnete zahllosen Regisseurinnen und Regisseuren tiefe Furchen in die Stirn.
Eigentlich aber ist es ganz leicht. Es genügt, Striche vorzunehmen, die einerseits die Geschichte nicht aus den Angeln heben, andererseits aber die riesigen Luftlöcher, die zwischen den Arien, Duetten, Terzetten, Chorsätzen und den beiden grandiosen Quartetten klaffen, klug zu schließen imstande sind. So geschehen in der jetzt bei Pentatone erschienenen Studioproduktion aus Dresdens Kulturpalast, die unter gar wunderlichen (oder sollte man sagen: wunderbaren?) Umständen realisiert wurde. Ein anberaumter ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 31
von Jan Verheyen
Das Wasser ist allgegenwärtig: In kräuselnden Wellen türmt es sich majestätisch während der Ouvertüre auf einer transparenten Projektionsfläche. Später schwappt es bedrohlich an die Bullaugen des Schiffs «Conqueror Cruises», auf dessen Deck und Unterdeck das Geschehen abläuft, dann wieder glitzert es als spiegelnde Fläche friedlich im Mondlicht. Wasser ist das...
Es ist der vielleicht größte Albtraum eines Kritikers. Man betritt den Zuschauersaal, doch die Sache läuft bereits. Besonders schlimm: alles ist fast schon vorbei. Anfang September wurde ein solcher Albtraum zur Beinahe-Realität. Das Luzerner Theater hatte (in Kooperation mit dem Lucerne Festival) Béla Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» angesetzt – als...
Liebe, so hat es Stendhal einmal sehr schön notiert, beginne mit gegenseitiger Verwunderung, mit jenem augenblickshaften Erstaunen der darin Verwickelten, das die Existenz des anderen für kaum möglich gehalten hätte. Doch war sich Marie-Henri Beyle darüber im Klaren, dass es verschiedene Formen der Liebe gibt. Er selbst unterschied vier Arten: Liebe aus...
