Lob der Oper
Sie waren beispiellos flexibel, unsere Opernhäuser in der Saison 20/21! Mit immer neu ausgetüftelten Distanzmodi im Zuschauerraum. Auf der Bühne wird mit Metermaß die Abstandeinhaltung geprüft. Chöre und Orchester singen und spielen, per Glasfaser zugeleitet, aus Probenräumen, so etwa im Züricher «Boris Godunow». Reduzierte Fassungen erlauben faszinierend neue Höreindrucke wie die «Onegin»-Fassung am Münchener Gärtnerplatztheater. Manches scheitert aber auch an der Reduzierung, wie Mascagnis «Cavalleria Rusticana» in Stuttgart.
Bei Weinbergs «Masel Tov!» an der Oper am Rhein kitzelt auch die Kammerfassung Henry Kochs den jiddischen Tonfall heraus. In Glucks «Orfeo|Euridice»-Adaption für das Aalto-Theater in Essen inszeniert Paul-Georg Dittrich das Liebespaar als gespaltene Teile einer Persönlichkeit, wobei eingeblendete Video-Dokus mit Neurologen und Pflegepersonal aus dem Alfried Krupp Krankenhaus über Lockdown-Zustände von Patienten in diesen Zeiten gewollt wirken. Der Neuproduktion von Burroughs’ und Waits’ Anti-Musical «The Black Rider» am Gelsenkirchener Musiktheater im Revier gelingt als pralle Show in psychedelischen Farben mit leibhaftigem Teufel im Spiel. Mit neun ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 135
von Sabine Weber («SWR2», «WDR3», Köln)
62. Jahrgang, Jahrbuch 2021
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISBN 978-3-942120-35-7
Best.-Nr. 752967
REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
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REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)
REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redakt...
Sie konnten nur selten miteinander, vor allem aber nicht ohne einander. Seitdem es die Gattung Oper gibt, suchten Komponisten (gerne auch mal verzweifelt) nach Librettisten, die geeignet waren, ihre (also: der Komponisten) Visionen mit Text gleichsam zu «unterfüttern», zu beleben, zu erleuchten. So manches Genie war darunter, man denke nur an den großen Metastasio...
Das Erschreckende in der vergangenen Spielzeit war für mich die Irrelevanz quasi des gesamten Kulturbetriebs. Systemrelevanz? Fehlanzeige! Das sah beziehungsweise sieht man auch jetzt noch, selbst bei begrenzter Platzauslastung bleiben erhebliche Teile des früheren Publikums weg.
Ein weiterer Schock: wie ungelenk manche Häuser und Institutionen mit der Krise...
