Krise als Chance
Ein «sonderbar Ding» ist die Zeit, das wissen wir aus dem «Rosenkavalier» von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Thomas Mann nannte sie «wesenlos und allmächtig», auch das trifft es hervorragend. Blickt man nun zurück in das vergangene Spielzeit-Jahr, so kommt man nicht umhin, an diese beiden Zuschreibungen erinnert zu werden. Denn es ist in der Tat schwierig, diese «sonderbare» Zeit zu bilanzieren, in der so viele Premieren nicht stattfinden konnten, und in der ein Virus «wesenlos und allmächtig» unseren Alltag bestimmte.
Aus diesem Grund hat sich «Opernwelt» gegen die klassische Umfrage entschieden und stattdessen 40 Kritikerinnen und Kritiker um ihr persönliches Statement gebeten (der Einsendeschluss war der 15. Juli). Zum Glück gab es trotz der Pandemie wichtige (Ur-)Aufführungen, die im Gedächtnis bleiben, tolle Sängerinnen und Sänger, zeitlos schöne und sehenswerte Inszenierungen. All das finden Sie auf den folgenden Seiten
Während ich dies schreibe, Ende Juli, fühlt sich das Leben weniger wie ein Sommer 2021 an als vielmehr wie der 20. Monat des Vorjahres. Gerade in der Welt der Kunst ist dies für viele eine verwirrende, anstrengende Zeit gewesen. Und für ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 92
von John Allison («Opera», London)
Ach, wie war es doch vordem / mit den Listen so bequem... Aber nichts ist mehr so, wie es einmal war, also auch nicht die übliche standardisierte Saison-Benotung aus Sichten, Einordnen, Nominieren, Zusammenzählen, Küren von Siegerinnen und Siegern.
Andererseits war ja auch nicht «nichts» in diesen verseuchten Monaten! Im Gegenteil: Man streamte und war plötzlich...
Im Unterschied zu Europa nimmt Russland die Zahl der an Corona Erkrankten und der Todesfälle nicht zur Kenntnis. Die Theater spielen schon lange wieder vor halb besetzten Häusern, und die Zuschauerinnen und Zuschauer tragen schon lange keine Masken mehr, ohne sich dafür zu schämen.
Während des Lockdowns waren die Streamingangebote für die Opernfans die größte...
Ein guter Regisseur zeichnet sich, wie ebenfalls ein guter Dramatiker, dadurch aus, dass er die Wirklichkeit vermittels einer Fabel zu überhöhen weiß. Einem großen Regisseur gelingt es zudem, die Protagonisten dieser Fabel zu radikal authentischen (und autonomen) Bühnengestalten zu formen. Lorenzo Fioroni kann das, das zeigte sowohl seine Inszenierung von Dusapins ...
