In anderen Welten

Sie teilen das gleiche Schicksal. Der tschechische Komponist Bohuslav Martinů wurde von der Nachwelt ebenso vernachlässigt wie sein kongenialer Partner Georges Neveux, der französische Dramatiker und Drehbuchautor. Höchste Zeit, dies zu ändern

Opernwelt - Logo

Träumer waren sie, auf die eine und andere Art, beide. Doch nicht im naiven oder sentimentalischen Sinne. Ihre Ausflüge in die Welt des Un(ter)bewussten gingen darüber weit hinaus, sie trugen das Gepräge des Existenziellen, weil ihr Ziel darin bestand, die tiefere Bedeutung der Traumwelt zu erkunden. Dies vor allem sowie die große Lust, die Sphäre der Realität gleichsam zu überschreiten, war es, was Bohuslav Martinů und Georges Neveux zusammenbrachte.

Obschon: Die politischen Zeitläufte und der Einfluss Fortunas gaben das ihrige hinzu, um ein festes Band zwischen dem tschechischen Komponisten und dem französischen Dramatiker zu knüpfen.

Trafen sich also zwei, um gemeinsam Bleibendes zu schaffen. Hier der nostalgische Klassizist, romantische Spätzügler und Universalist, geboren  als Sohn eines Schusters (der zugleich Glöckner und Brandwächter war), in einer Kleinstadt an der böhmisch-mährischen Grenze. Ein Mann von hoher, schlanker Statur, mit ausdrucksvollen blauen Augen, edler Nase und hoher Stirn, dessen (im reifen Alter geprägter) Wahlspruch sein Wesen deutlich genug charakterisiert: «L’ horreur de l’insistance». Mochten sich andere in den Vordergrund drängen und/oder lautstark ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Traumpaare, Seite 76
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Wichtige Streams der Saison

Dass der Autor Clemens Meyer ein schrill-schräger und ziemlich schlauer Typ ist, weiß jeder, der seine Romane gelesen hat. So auch Meyers Nachtstück Im Stein, welches in grellen Bildern die Suche einer durch den Mauerfall schwer irritierten Generation nach ihrer Identität und nach dem Sinn des Lebens schildert. An den Bühnen Halle sollte eigentlich in dieser...

Wichtige Regisseure der Saison

Ein guter Regisseur zeichnet sich, wie ebenfalls ein guter Dramatiker, dadurch aus, dass er die Wirklichkeit vermittels einer Fabel zu überhöhen weiß. Einem großen Regisseur gelingt es zudem, die Protagonisten dieser Fabel zu radikal authentischen (und autonomen) Bühnengestalten zu formen. Lorenzo Fioroni kann das, das zeigte sowohl seine Inszenierung von Dusapins ...

Abnehmendes Interesse

Die zurückliegende Opernspielzeit machte das Besondere des eigentlich Normalen für jeden greifbar: Live produzierte und rezipierte Bühnenkunst ist durch keine noch so ausgefeilten Online-Angebote wirklich zu ersetzten. Es ist ein Trost, dass einige der großen Häuser jede Möglichkeit, die ihnen die Pandemiebekämpfung erlaubte, offensiv nutzten, um für das Publikum...