In anderen Welten
Träumer waren sie, auf die eine und andere Art, beide. Doch nicht im naiven oder sentimentalischen Sinne. Ihre Ausflüge in die Welt des Un(ter)bewussten gingen darüber weit hinaus, sie trugen das Gepräge des Existenziellen, weil ihr Ziel darin bestand, die tiefere Bedeutung der Traumwelt zu erkunden. Dies vor allem sowie die große Lust, die Sphäre der Realität gleichsam zu überschreiten, war es, was Bohuslav Martinů und Georges Neveux zusammenbrachte.
Obschon: Die politischen Zeitläufte und der Einfluss Fortunas gaben das ihrige hinzu, um ein festes Band zwischen dem tschechischen Komponisten und dem französischen Dramatiker zu knüpfen.
Trafen sich also zwei, um gemeinsam Bleibendes zu schaffen. Hier der nostalgische Klassizist, romantische Spätzügler und Universalist, geboren als Sohn eines Schusters (der zugleich Glöckner und Brandwächter war), in einer Kleinstadt an der böhmisch-mährischen Grenze. Ein Mann von hoher, schlanker Statur, mit ausdrucksvollen blauen Augen, edler Nase und hoher Stirn, dessen (im reifen Alter geprägter) Wahlspruch sein Wesen deutlich genug charakterisiert: «L’ horreur de l’insistance». Mochten sich andere in den Vordergrund drängen und/oder lautstark ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Traumpaare, Seite 76
von Jürgen Otten
Ich saß freudig nervös im Großen Festspielhaus, im Kopf tanzten die Erinnerungen an 40 Salzburger Festspieljahre Walzer, die Ouvertüre zu Mozarts Oper «Così fan tutte» stieg fauchend aus dem erhöhten Orchestergraben, die Paare sangen ihre falschen Liebesschwüre himmlisch schön, und dann passierte es: Tränen kullerten über die Maske. Verfluchte Musik, unergründbar...
Beginnen wir mit einem Zitat von Carolin Emcke, aus deren Pandemie-Tagebuch: «Wenn wir jetzt nicht nachweisen, was wir können, wenn wir jetzt nicht begründen, warum es uns, die wir Geschichten erzählen, fiktive oder nicht-fiktive, die wir die Wirklichkeit verwandeln oder beschreiben, die wir Trost spenden oder Wissen vermitteln, die wir Wörter oder Konzepte wiegen...
Ein «sonderbar Ding» ist die Zeit, das wissen wir aus dem «Rosenkavalier» von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Thomas Mann nannte sie «wesenlos und allmächtig», auch das trifft es hervorragend. Blickt man nun zurück in das vergangene Spielzeit-Jahr, so kommt man nicht umhin, an diese beiden Zuschreibungen erinnert zu werden. Denn es ist in der Tat...
