Warten auf Godot

Die Spielzeit 2020/21 wird in die Geschichte der Opernwelt eingehen als diejenige, in der (fast) alles anders war. Doch vor allem eines wurde deutlich: wie wichtig (Musik-)Theater für eine Gesellschaft ist

Das öffentliche Interesse war enorm, als Markus Gabriel, damals der neue Star am deutschen Philosophenhimmel, 2013 ein Buch mit dem Titel «Warum es die Welt nicht gibt» schrieb. Allein die Vorstellung, diese Welt, wie wir sie kennen, existiere nicht, sorgte für erheblichen Diskussionsstoff. Dass Gabriels Theorem, das natürlich ein trick­reiches war, weil es nur dazu diente, einen «Neuen Realismus» zu proklamieren, doch eine gewisse Bedeutung auch für die Opern-Welt erlangen würde, konnte man seinerzeit nicht wissen.

Die vergangene Saison aber hat uns vorgeführt, wie es ist, wenn es eine solch musiktheatrale «Welt» nicht mehr in gewohnter Art und Weise gibt. Denn die Pandemie sorgte dafür, dass ein Großteil der Produktionen nicht live gezeigt werden konnte und die Spielzeit als eine pulverisierte erschien. Gleichwohl gab es Musiktheater, über das zu diskutieren es sich lohnte

Es ist vermutlich nicht allzu gewagt, die These aufzustellen, dass Wladimir und Estragon, die wohl berühmtesten Landstreicher der Theatergeschichte, alles andere als besonders glückliche Menschen zu nennen sind. Sie warten auf ein Glück, das sich nicht einstellt, vermutlich nie einstellen wird. Mal stoisch, ...

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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Bilanz einer vollendet unvollendeten Saison, Seite 4
von Jürgen Otten

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