Warten auf Godot
Das öffentliche Interesse war enorm, als Markus Gabriel, damals der neue Star am deutschen Philosophenhimmel, 2013 ein Buch mit dem Titel «Warum es die Welt nicht gibt» schrieb. Allein die Vorstellung, diese Welt, wie wir sie kennen, existiere nicht, sorgte für erheblichen Diskussionsstoff. Dass Gabriels Theorem, das natürlich ein trickreiches war, weil es nur dazu diente, einen «Neuen Realismus» zu proklamieren, doch eine gewisse Bedeutung auch für die Opern-Welt erlangen würde, konnte man seinerzeit nicht wissen.
Die vergangene Saison aber hat uns vorgeführt, wie es ist, wenn es eine solch musiktheatrale «Welt» nicht mehr in gewohnter Art und Weise gibt. Denn die Pandemie sorgte dafür, dass ein Großteil der Produktionen nicht live gezeigt werden konnte und die Spielzeit als eine pulverisierte erschien. Gleichwohl gab es Musiktheater, über das zu diskutieren es sich lohnte
Es ist vermutlich nicht allzu gewagt, die These aufzustellen, dass Wladimir und Estragon, die wohl berühmtesten Landstreicher der Theatergeschichte, alles andere als besonders glückliche Menschen zu nennen sind. Sie warten auf ein Glück, das sich nicht einstellt, vermutlich nie einstellen wird. Mal stoisch, ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Bilanz einer vollendet unvollendeten Saison, Seite 4
von Jürgen Otten
«Ihre Art entspricht so sehr der meinen, wir sind füreinander geboren und werden sicher Schönes zusammen leisten, wenn Sie mir treu bleiben …» Dieses schrieb nicht etwa, errötend, ein Jüngling seiner Angebeteten ins Stammbuch. Sondern ein pragmatischer, als hemdsärmelig geltender Komponist, von Thomas Manns Adrian Leverkühn als «begabter Kegelbruder» bezeichnet, im...
Das Gras auf der Wiese steht hoch. Ein Storchenpaar überfliegt die menschenleere Straße. Nichts erinnert daran, dass hier in Bottmingen, der finanzkräftigsten Gemeinde des Kantons Basel-Land, an diesem Abend eine Opernvorstellung stattfindet, wären da nicht die Klavierklänge, die sich gelegentlich in das Vogelzwitschern mischen. Das Opernstudio des Theaters Basel...
Dass der Autor Clemens Meyer ein schrill-schräger und ziemlich schlauer Typ ist, weiß jeder, der seine Romane gelesen hat. So auch Meyers Nachtstück Im Stein, welches in grellen Bildern die Suche einer durch den Mauerfall schwer irritierten Generation nach ihrer Identität und nach dem Sinn des Lebens schildert. An den Bühnen Halle sollte eigentlich in dieser...
