Liebesliszt und Leid
Amüsiert erinnert man sich an eine Szene in Ken Russells Streifen «Lisztomania» (1975), in der Liszt-Darsteller Roger Daltrey die Brüste einer Frau «mechanisch» küsst, links, rechts, links, rechts – exakt zum Takt von Mälzels Metronom. Nicht nur in dieser frechen Szene schlüpfte der Frontman von The Who als Protagonist von Russells Film stimmig in die Schuhe des jungen Franz Liszt; war dieser doch zweifellos der Popstar seiner Zeit – auch im Hinblick auf seine künstlerische Vielseitigkeit und das ihm eigene «Gespür für den Markt».
In gewisser Hinsicht darf man das auch von Jonas Kaufmann behaupten, denn der Tenor aus München darf durchaus als «populär im Sinne des Marktes» nicht nur im Klassikbereich gelten. Und so passt es denn auch, dass Kaufmann sich unter der Lenkung seines Begleiters Helmut Deutsch dem Liedschaffen des weltweisen Burgenländers nähert.
An sich gehörte das Genre Lied, verkürzt gesagt, wohl nicht zu den Herzensbedürfnissen Liszts. Es ging diesem ja im Grunde, wie einmal geschrieben wurde, ums musikalische Substrat, ums Destillat, um die Essenz; in diesem Zusammenhang scheint er einen gesungenen Text oft als überflüssig empfunden zu haben. Weswegen er auch nur ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Gerhard Persché
Nach der Uraufführung von Bellinis «Zaira» 1829 in Parma hagelte es Spott: Wer die Inspiration von Herrn Bellini finden sollte, werde gebeten, sie im Büro des Impresarios abgeben – so der bissige Appell auf den Straßenaushängen tags darauf. Die auf Voltaires gleichnamiger Tragödie beruhende Oper in der Libretto-Fassung von Felice Romani war der erste große...
Am Ende war der Jubel groß. Wieder einmal hatte Frankfurts Intendant Bernd Loebe mit Mut zum Wagnis sein Publikum überwältigt. Und das mit einem Stück des hierzulande sträflich unterschätzten Nikolai Rimsky-Korsakow, das selbst die Kenner und Liebhaber dieses größten russischen Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts noch nie auf der Bühne sehen durften. An diesem...
Frau Dreisig, ich nehme unser Interview mit meinem Smartphone auf. Ist das in Ordnung für Sie?
Natürlich. Ich lege mein Handy bei den Proben immer in den Zuschauerraum.
Um dann mit dem Mitschnitt nachzuarbeiten?
Genau. Nach der Probe höre ich alles an. Und dann weiß ich genau, wo ich bei der Intonation aufpassen muss oder wo ich zu kräftig war.
Sie haben...
