Liebesliszt und Leid

Zwei neue Alben: Jonas Kaufmann erfüllt Lieder Franz Liszts mit theatralischer Gestik, Andreas Bauer Kanabas punktet unter anderem mit Verdis Bass-Arien

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Amüsiert erinnert man sich an eine Szene in Ken Russells Streifen «Lisztomania» (1975), in der Liszt-Darsteller Roger Daltrey die Brüste einer Frau «mechanisch» küsst, links, rechts, links, rechts – exakt zum Takt von Mälzels Metronom. Nicht nur in dieser frechen Szene schlüpfte der Frontman von The Who als Protagonist von Russells Film stimmig in die Schuhe des jungen Franz Liszt; war dieser doch zweifellos der Popstar seiner Zeit – auch im Hinblick auf seine künstlerische Vielseitigkeit und das ihm eigene «Gespür für den Markt».

In gewisser Hinsicht darf man das auch von Jonas Kaufmann behaupten, denn der Tenor aus München darf durchaus als «populär im Sinne des Marktes» nicht nur im Klassikbereich gelten. Und so passt es denn auch, dass Kaufmann sich unter der Lenkung seines Begleiters Helmut Deutsch dem Liedschaffen des weltweisen Burgenländers nähert.

An sich gehörte das Genre Lied, verkürzt gesagt, wohl nicht zu den Herzensbedürfnissen Liszts. Es ging diesem ja im Grunde, wie einmal geschrieben wurde, ums musikalische Substrat, ums Destillat, um die Essenz; in diesem Zusammenhang scheint er einen gesungenen Text oft als überflüssig empfunden zu haben. Weswegen er auch nur ...

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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Gerhard Persché

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