Liaison mit Katzenjammer.

«Turandot» als «größte Opernproduktion aller Zeiten» - inszeniert von Zhang Yimou

Wenn Musiktheater primär aus ökonomischem Antrieb zustande kommt, bedeutet dies noch nicht, dass es sich künstlerisch nicht ernst nehmen und nur billige Lösungen suchen muss. Ein internationales Veranstalter-Konsortium setzte neue quantitative Maßstäbe mit einer 1998 in Peking vor der Kulisse der «Verbotenen Stadt» entwickelten Inszenierung von Puccinis «Turandot». Sie wurde jetzt in überarbeiteter Form im größten Pariser Stadion präsentiert – als «größte Opernproduktion aller Zeiten».


Zhang Yimou (prominent durch Filme wie «Die Rote Laterne» oder «Ehefrauen und Konkubinen») exportiert seine heimatgeschichtlich ambitionierte Sicht auf Puccinis letzte Oper. Er ließ die Nordkurve des Stade de France in Paris mit einer gigantischen Chinoiserie überbauen: Tiananmen – vom Platz des himmlischen Friedens aus gesehen, etwa in Echtgröße, einhundertsechzig Meter breit. Über seitwärtigen Pylonen, in die große Projektionsflächen für Beamer eingelassen wurden, erheben sich die charakteristischen Dächer.
An den Kostümen und der Maquillage wurde nicht gespart. Zu jedem Akt-Beginn zieht ein glänzend uniformiertes Trommler-Corps in die monumentale Kulisse, kündet von alter Pracht und Herrlichkeit des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: magazin, Seite 26
von Frieder Reininghaus

Vergriffen
Weitere Beiträge
Opernfrauen als Blickfang

Zwei historische Schwarz-Weiß-Fotografien sind es, die in diesem Bilderbuch der Oper Eindruck machen: Anja Silja in Cherubinis «Médée» (Frankfurt 1971), mit klarer, gebieterischer Gestik und Mimik, ganz die Kraft des Augenblicks in sich bündelnd, und Maria Callas in Donizettis «Poliuto» (Mailänder Scala 1960), mit geschlossenen Augen, leicht geöffnetem singenden...

Laboratorium im Regenwald

Zwei Uhr früh. Der Himmel über Manaus ist schwarz. So schwarz wie das Wasser des Rio Negro, der sich an dem 1,5-Millionen-Nest mitten im Amazonasdschungel vorbeiwälzt. Fünfunddreißig Grad. Gefühlte Temperatur: fünfundvierzig Grad. Die Luft steht. Ein klebriges Gemisch, das so viel Feuchtigkeit mit sich zu führen scheint wie der mächtige Fluss, der an den Rümpfen...

Des Meeres und der Liebe Wellen

Die Situation, mit der uns Alessandro Scarlattis 1718 in Rom uraufgeführtes Melodramma «Telemaco» konfrontiert, ähnelt einer anderen Oper, die auf denselben Stoffquellen – Homers «Odyssee» und Fénelons aufklärerischem Erziehungsroman «Les Aventures de Télémaque» – beruht: Mozarts «Idomeneo». Wie der aus dem trojanischen Krieg heimkehrende Kreterfürst wird auch...