Glaube - Liebe - Hoffnung

Besuch bei einer alten Dame: eine Wanderung durchs Innere der Berliner Lindenoper

Wasser. Rings herum nichts als Wasser. Man darf sich das gar nicht vorstellen. Wie das wäre. Was man machen würde in dieser Sekunde, in der das Wasser hier unten, zirka zwölf Meter unter der Straße, durch die Mauern drückt, die Mauern niederreißt, alles, was da kreucht und fleucht, fortreißt in einem riesigen Schwall und man selbst fortgerissen wird von diesen Massen wie ein kleines Plastikspielzeug, wenn das Gebäude langsam einknicken und einen Kniefall machen würde auf den Bebelplatz. Es wäre ein Schauspiel, wie Berlin es nie gesehen hätte. Ein schauderhaftes.


Ein Glück, es ist ja nur eine Vorstellung. Die Realität sieht etwas anders aus. Besser. Das Gefühl jedoch bleibt, was es ist: mulmig. Ganz unten weiß man nie, wo das Licht ist. Man sieht nur den Bitumen, wie er aus einem Lüftungsschacht herausquillt, glibbrig-garstiges, übel riechendes Gezücht aus schwarzen Partikeln. Eigentlich sollte das nicht sein, zumal nicht an diesem heiligen Ort, von dem so viel ausgeht, was wichtig ist für ein Opernhaus, dem Zentrum der technischen Macht: der Druckerhöhungszentrale der Staatsoper Unter den Linden, tief drunten in der märkischen Erde. Aber es ist leider so. Die Oper wird, man kann ...

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Opernwelt Juli 2005
Rubrik: magazin, Seite 28
von Jürgen Otten

Vergriffen
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