Glaube - Liebe - Hoffnung

Besuch bei einer alten Dame: eine Wanderung durchs Innere der Berliner Lindenoper

Opernwelt - Logo

Wasser. Rings herum nichts als Wasser. Man darf sich das gar nicht vorstellen. Wie das wäre. Was man machen würde in dieser Sekunde, in der das Wasser hier unten, zirka zwölf Meter unter der Straße, durch die Mauern drückt, die Mauern niederreißt, alles, was da kreucht und fleucht, fortreißt in einem riesigen Schwall und man selbst fortgerissen wird von diesen Massen wie ein kleines Plastikspielzeug, wenn das Gebäude langsam einknicken und einen Kniefall machen würde auf den Bebelplatz. Es wäre ein Schauspiel, wie Berlin es nie gesehen hätte. Ein schauderhaftes.


Ein Glück, es ist ja nur eine Vorstellung. Die Realität sieht etwas anders aus. Besser. Das Gefühl jedoch bleibt, was es ist: mulmig. Ganz unten weiß man nie, wo das Licht ist. Man sieht nur den Bitumen, wie er aus einem Lüftungsschacht herausquillt, glibbrig-garstiges, übel riechendes Gezücht aus schwarzen Partikeln. Eigentlich sollte das nicht sein, zumal nicht an diesem heiligen Ort, von dem so viel ausgeht, was wichtig ist für ein Opernhaus, dem Zentrum der technischen Macht: der Druckerhöhungszentrale der Staatsoper Unter den Linden, tief drunten in der märkischen Erde. Aber es ist leider so. Die Oper wird, man kann ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: magazin, Seite 28
von Jürgen Otten

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eisenach, Mozart: Die Zauberflöte

In Eisenach gibt es keine Zauberflöte in der «Zauberflöte». Zwar muss dort drastisch gespart werden, doch in diesem Fall steckt eine Absicht dahinter, wenn das Instrument durch eine Partitur ersetzt wird. Peter Konwitschnys inzwischen weithin anerkannte Meisterschülerin Vera Nemirova hat in ihrer Deutung auch sonst einiges verblüffend «anders» gemacht. Sie beginnt...

Berlin, Tschaikowsky: Eugen Onegin

Man vergisst es oft in den luxuriös besetzten Aufführungen großer Opernhäuser: dass Tschaikowskys «Eugen Onegin» eigentlich eine Oper über junge Menschen ist, dass die Geschwister Tatjana und Olga, die sich aus ihrer ländlichen Langeweile heraussehnen, noch echte Backfische und auch Lenski und Onegin kaum ein paar Jahre älter sind. An der Komischen Oper ist diese...

Opernfrauen als Blickfang

Zwei historische Schwarz-Weiß-Fotografien sind es, die in diesem Bilderbuch der Oper Eindruck machen: Anja Silja in Cherubinis «Médée» (Frankfurt 1971), mit klarer, gebieterischer Gestik und Mimik, ganz die Kraft des Augenblicks in sich bündelnd, und Maria Callas in Donizettis «Poliuto» (Mailänder Scala 1960), mit geschlossenen Augen, leicht geöffnetem singenden...