Unversöhnt
Ferruccio Busonis «Doktor Faust» ist eines der Hauptwerke des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts. Der deutsch-italienische Komponist konnte die Oper, die er gleichsam wie ein Monument über sein gesamtes Schaffen stülpte, nicht mehr abschließen. In Stuttgart – und zuvor in San Francisco (siehe OW 8/2004) – kam sie erstmals ohne die Ergänzungen Philipp Jarnachs bzw. Anthony Beaumonts zur Aufführung.
Warum begegnet man dem Stück, dessen Rang niemand bestreitet, so selten auf der Bühne? Was abschreckt, ist nicht nur die spröde Kopflastigkeit des von Busoni selbst auf der Grundlage des alten Puppenspiels gedichteten Textes, nicht nur der assoziative, diskontinuierliche Handlungsverlauf des Szenariums, sondern mehr noch der autonome Anspruch der Musik, die keinerlei psychologische Ausdeutung oder semantische Übertragung von Handlung und Figuren anstrebt, sondern einzig sich selbst meint. Busonis Idee der akustischen Perspektive eines Klanghorizonts, der über die Szene, ja über das Sichtbare und Gespielte hinausgreift und auf diese Weise das Ungeschaute durch das Gehörte zu enthüllen sucht, nimmt Tendenzen vorweg, die erst Jahrzehnte später von Komponisten wie Zimmermann, Nono, Rihm oder ...
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