Die unmögliche Tragödie

Sartorios «Orfeo», ausgegraben von Alberto Zedda, und «Don Giovanni», ausgestattet von der Mode-Designerin Agatha Ruiz de la Prada, beim Mozart-Festival im nordspanischen La Corua

Ja, natürlich: Fußball. Wer denkt bei La Coruña schon an Oper? Nicht einmal die Einwohner der Stadt selbst. Sie identifizieren sich mit «Deportivo», der Elf, die zum Symbol der Stadt geworden ist. Das Stadion prangt unmittelbar am zwei Kilometer langen Sandstrand von Orzan, und kein Bau weit und breit kann es an Sogkraft mit ihm aufnehmen. Oder doch? Die Stadtväter geben sich alle Mühe, vom Schmuddel-Image der vollgepfropften Hafen- und Arbeiterstadt, das La Coruña lange anhaftete, wegzulenken. Seit den achtziger Jahren wird die Atlantik-Promenade kontinuierlich erweitert.

Dreizehn Kilometer kann man inzwischen joggen oder spazieren – in einer merkwürdigen Mischung aus Meerluft und den Abgasen vierspuriger Hauptverkehrsachsen. Ein «Haus des Menschen», das die Geschichte unserer Spezies interaktiv aufbereitet, bietet dem Stadion von der anderen Seite der Bucht buchstäblich die Stirn. In Richtung Altstadt gibt es architektonisch Bedeutenderes: das neue Museo de Bellas Artes, das der Architekt José Manuel Gallego meisterhaft mit der Bausubstanz eines alten Kapuzinerklosters verschmolzen hat. Ein paar Schritte weiter duckt sich das Teatro Rosalia Castro hinter einer klassizistischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2005
Rubrik: im focus, Seite 18
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Isolde ist für mich einfach das Größte»

Frau Stemme, bevor Sie Opernsängerin wurden, haben Sie in Ihrer Heimatstadt Stockholm Volks- und Betriebswirtschaft studiert. Prägt Sie die ökonomische Denkweise, das genaue Kalkulieren und Disponieren, auch heute noch?
Sicher, im übergeordneten Sinne schon. Erstens lernt man dort, dass sich die Wirklichkeit nun einmal nicht exakt kalkulieren lässt – denken Sie an...

Opernfrauen als Blickfang

Zwei historische Schwarz-Weiß-Fotografien sind es, die in diesem Bilderbuch der Oper Eindruck machen: Anja Silja in Cherubinis «Médée» (Frankfurt 1971), mit klarer, gebieterischer Gestik und Mimik, ganz die Kraft des Augenblicks in sich bündelnd, und Maria Callas in Donizettis «Poliuto» (Mailänder Scala 1960), mit geschlossenen Augen, leicht geöffnetem singenden...

Berlin, Tschaikowsky: Eugen Onegin

Man vergisst es oft in den luxuriös besetzten Aufführungen großer Opernhäuser: dass Tschaikowskys «Eugen Onegin» eigentlich eine Oper über junge Menschen ist, dass die Geschwister Tatjana und Olga, die sich aus ihrer ländlichen Langeweile heraussehnen, noch echte Backfische und auch Lenski und Onegin kaum ein paar Jahre älter sind. An der Komischen Oper ist diese...