Lebensbewältigungstheater
Der Erfurter Oper ist mit diesem «Rosenkavalier» ein Wurf gelungen! Die Szene befragt die «Komödie für Musik» hintersinnig, entfaltet kluge Opulenz und gibt doch dem Theater, was des Theaters ist: in einer Welt zwischen kunstvoller Erfindung und dem Hofmannsthal’schen «Hätte durchaus so sein können».
Die Wahrheit, die dieses Stück jenseits seiner funkelnden Künstlichkeit hat, geht vor allem von der Feldmarschallin aus: wenn sie über die Zeit und das Älterwerden nachdenkt; wenn sie versucht, Glück, trotz der Vergänglichkeit von Liebe, zu finden und dabei ihre Würde zu wahren; wenn sie im schmerzlichen, aber bewussten Verzicht auf den jungen Geliebten zugleich das Älterwerden zelebriert. Genau diese «Wahrheit» hat das Inszenierungsteam so gezeigt, wie es nur selten gelingt. Die innere, subtile Balance des Beziehungsgeflechtes bleibt gewahrt, und doch wird es ohne aufgesetzte Modernisierung nah an uns herangeholt.
In der Erfurter Deutung von Robert Tannenbaum wird dieses Lebensbewältigungstheater zu einem Spiegel, in den man von heute aus blickt. So wie die drei Zuschauerinnen in den ersten Parkettreihen, die einige Male von einem Scheinwerfer hervorgehoben werden, wenn sie sich ...
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Friedrich Nietzsche hat den stilistischen Sonderstatus von Georges Bizets «Carmen» wohl als Erster metaphorisch auf den Punkt gebracht: «Diese Musik ist heiter», schrieb er 1888, dreizehn Jahre nach der skandalumwitterten Uraufführung an der Pariser Opéra Comique, «aber nicht von einer französischen oder deutschen Heiterkeit. Ihre Heiterkeit ist afrikanisch; sie...
Eine prominente Auszeichnung in Deutschlands Medienwelt hatte Berlin in den letzten Jahren sicher: Bei der jährlichen Kritikerumfrage der «Opernwelt» bekam die Hauptstadt der Republik regelmäßig den Titel «Ärgernis des Jahres», die rote Laterne der Branche, zugesprochen. Mit dem, was auf den Bühnen passierte, hatte das meist nur wenig zu tun, umso mehr jedoch mit...
