Panischer Stillstand
Eine prominente Auszeichnung in Deutschlands Medienwelt hatte Berlin in den letzten Jahren sicher: Bei der jährlichen Kritikerumfrage der «Opernwelt» bekam die Hauptstadt der Republik regelmäßig den Titel «Ärgernis des Jahres», die rote Laterne der Branche, zugesprochen. Mit dem, was auf den Bühnen passierte, hatte das meist nur wenig zu tun, umso mehr jedoch mit der scheinbar endlosen Soap Opera, die hinter den Kulissen stattfand. Denn so viel Streit, Intrigen, Rücktritte und Skandale wie in und um Berlins Opern hat es in den letzten Jahren kaum irgendwo gegeben.
Seit der Wiedervereinigung machte die neue Opernhauptstadt nur selten durch maßstäbliche Produktionen und aufregende Inszenierungen von sich reden, dafür aber verging kein Jahr, in dem nicht irgendein neues Horrorszenario mit Schließung oder Fusion drohte, sich plötzlich eine klaffende Finanzierungslücke auftat oder ein Generalmusikdirektor das Handtuch warf. Die Berliner Kultursenatoren blieben im Durchschnitt nicht mal so lange im Amt wie Fußballtrainer. Einer tatsächlich staunenswerten Vielfalt des Opernangebots stand (und steht) eine ruinöse Haushaltslage der Stadt gegenüber. Die Aufmerksamkeit von Presse und ...
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Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Special: Opernstiftung Berlin, Seite 50
von Jörg Königsdorf
Herr Kuˇsej, Sie sollten 2004 in Bayreuth «Parsifal» inszenieren und inszenieren nun «Carmen», von Nietzsche als Gegengift zu Wagner empfohlen. War das Ihr Wunsch?
Nein, ich habe nie Wünsche in der Oper. Ich lasse mich gern verführen von Dirigenten oder Intendanten, die glauben, dass ich das eine oder andere Stück mit ihnen machen soll. Ich hatte große Vorbehalte...
Wer die Repertoireoper à la Wien oder München schätzt und das Stagione-Prinzip verabscheut, braucht sich nicht länger aufzuregen: Wenn er an einem Stagione-Opernhaus eine Vorstellungsserie versäumt, kann er in der Regel die begehrte Aufführung alsbald an einem anderen Operntheater nachsitzen. Geldknappheit und Ressourcenschwund zwingen die europäischen...
Die Hauptstadt der Region Lothringen Nancy, einstige Residenz der lothringischen Herzöge, bereitet sich auf ein großes Jubiläum vor: In diesem Jahr wird der 250. «Geburtstag» der 1755 eingeweihten Place Stanislas gebührend gefeiert – der damals aus Polen vertriebene König Stanislas I. Leszczynski hatte seinen Baumeister Heré mit der Gestaltung der heute immer noch...
