«Lass irre Hunde heulen!»
Schauerlich nannte Schubert die Lieder der «Winterreise», die in seinem Freundeskreis zunächst keinen Anklang fanden. Man muss bis zu Mussorgskys kleinem Zyklus «Ohne Sonne» oder Wolfs drei «Michelangelo-Liedern» gehen, um am Ende des 19. Jahrhunderts auf einen vergleichbar ausweglosen Pessimismus zu stoßen. Heutzutage ist Schuberts Liederkreis einer Reise noch über den Tod hinaus von einer fast schon wieder irritierenden Popularität, seine Diskografie so uferlos wie unüberschaubar.
Je radikaler, je bedingungsloser sich ein Interpret diesen Liedern anvertraut, desto vollkommener und zugleich verstörender trifft er ihren Ton. In ihrer Intention unterscheiden sich die Neuaufnahmen der beiden Tenöre Benjamin Bruns und Markus Schäfer kaum, im Ergebnis allerdings deutlich.
Bruns, der bisher vor allem in Mozart-Opern reüssierte, inzwischen aber schwerere Partien des lyrisch-dramatischen Fachs wie den Florestan in Beethovens «Fidelio» oder Wagners Lohengrin ansteuert, besitzt eine klangvolle, technisch gut geführte Stimme (hin und wieder allerdings brechen Spitzentöne aus der Linie aus). Sein herbes, farbenreiches Timbre eignet sich ideal für die selbst in den wenigen Dur-Stücken ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 56
von Uwe Schweikert
Im Moskauer Saz-Kindermusiktheater wird die große Bühne saniert, alle Aufführungen finden deswegen auf der kleinen Bühne statt. Ende Juni zeigte man dort «Rotkäppchen» von César Cui, dem Mitglied des «Mächtigen Häufleins». Der Komponist schrieb seine Kinderoper 1911 ausdrücklich für Zarewitsch Alexej, den kranken Sohn Nikolai II. Allein für den maladen Thronfolger...
Frau Parton, hat Ihr Heimatland Großbritannien durch den Brexit eine höhere Autonomie erlangt, oder ist das ganze Gegenteil der Fall?
Der Brexit ist eine Katastrophe, nicht nur politisch, sondern auch für die Kunst, insbesondere die Oper. Nichts ist seither leichter geworden, im Gegenteil: Die Situation für britische Künstler hat sich signifikant verschlechtert....
Es gibt Künstler, deren Ästhetik wie Œuvre relativ homogen, wenn nicht gar monolithisch wirken: Bei aller Entwicklung, auch Variabilität, wirken sie quasi einschichtig, kaum durch Brüche, Widersprüche gefährdet. Was hohe Komplexität keineswegs ausschließt. Komponisten wie Mussorgsky, Bruckner, Webern, Varèse eindimensional zu nennen, käme einem schwerlich in den...
