Editorial September/Oktober 2021
Sein Name ist etwas in Vergessenheit geraten. Was mehr als bedauerlich ist, zählte Ludwig Marcuse, dessen 50. Todestag wir in diesem Jahr begehen, zu den feinsinnigsten Beobachtern der menschlichen Spezies, als Schriftsteller, Essayist und Philosoph, als gleichermaßen spitzfindiger wie scharfzüngiger (Frei-)Geist.
Insbesondere ein Buch Marcuses, der vorausschauend genug war, um gleich zu Beginn der NS-Diktatur zu emigrieren (Marcuse lebte in Sanary-sur-Mer am Mittelmeer in unmittelbarer Nähe zu Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, Annette Kolb und den Manns), lohnt die erneute Lektüre: seine «Philosophie des Glücks», 1948 erschienen, zu einem Zeitpunkt also, an dem man vieles, aber nicht unbedingt eine Betrachtung über diesen Topos erwartet hatte. Zu viel Grauenhaftes war passiert, zu viel Unglück geschehen.
Marcuses Kunst lag nun aber genau darin, eben diesen Widerspruch in den Blick zu nehmen. Die «Philosophie des Glücks» ist keine Abhandlung über die verschiedenen Formen eines so erstrebenswerten wie kaum je erreichbaren Zustands, sie ist vielmehr der Versuch, diesen Zustand mit Worten zu fassen als eine existenzielle Empfindung, deren Gründe so vielfältig und fragil sind wie das ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
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