Lange vor der Zeit
Hatte sie schon etwas geahnt? Die Gegenwart des Todes gespürt? Als Stella Doufexis im Mai 2011 Hector Berlioz’ sonnenbronzene Orchesterlieder «Les nuits d’été» aufnahm, stand sie mitten im Leben. Doch aus dem ranken Körper strömten Töne von so tief empfundener, herbsüßer Melancholie, dass einem beim Wiederhören Tränen in die Augen schießen. Jetzt, nachdem sie gehen musste, unwiderruflich. Über die schwere Erkrankung, gegen die sie sich bis zuletzt mit künstlerischer Agilität und eiserner Disziplin stemmte, hat Stella Doufexis nie öffentlich gesprochen.
Die Nachricht, dass diese wunderbare, von innen leuchtende Mezzosopranistin am 15. Dezember, gerade 47 Jahre alt, gestorben war, kam einem Schock gleich.
Schon als Studentin an der Berliner Hochschule der Künste hatte die Tochter einer deutschen Mutter und eines griechischen Vaters aufhorchen lassen, 1992 mit Liedern von Alban Berg. Nach dem Abschluss – ihre wichtigsten Lehrer waren Ingrid Figur, Dietrich Fischer-Dieskau und Aribert Reimann – nahm sie 1995 ein Engagement am Theater Heidelberg an. Drei Jahre später wagte sie den Schritt in die Freiheit, arbeitete mit bedeutenden Dirigenten (wie Claudio Abbado, Bernard Haitink und Simon ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Albrecht Thiemann
Wer einen der populärsten Zeitromane der Weltliteratur vertont, hat einen Riesenvorteil: Jeder kennt den Stoff. Gerade bei zeitgenössischer Musik senkt das manche Schwelle. Mit dem Vorteil kommt aber auch ein Riesenproblem. Es bringt nämlich auch jeder eine ganz persönliche Vorstellung davon mit, welche Gestalt das Ganze annehmen sollte – und ist dann enttäuscht...
Schon die Zeitgenossen des Komponisten hatten mit diesem als «große romantische Oper» annoncierten Werk ihre liebe Not. Nicht, dass die Musik der 1823 am Wiener Kärntnertortheater uraufgeführten «Euryanthe» enttäuscht hätte. Der Dreiakter bietet attraktives, anspruchsvolles Material für die Solisten wie für das Orchester. Aber war das, was Carl Maria von Weber da...
In Chicago bekommt man nicht übertrieben häufig neue Stücke vorgesetzt, ganz zu schweigen von solchen, die tatsächlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen (wie etwa 1992 William Bolcoms «McTeague», definitiv ein repertoiretaugliches Werk). Entsprechend große Beachtung fand deshalb der erste Opernversuch des aus Peru stammenden Komponisten Jimmy López (*1978),...
