Laboratorium für die Künste
Damals, in den studentenbewegten, morgenroten siebziger Jahren, ahnte wohl niemand, dass das schöne Italien, Sehnsuchts- und touristischer Wallfahrtsort unzähliger Nordlichter, eines Tages von Leuten regiert würde, die für die sogenannte «Hochkultur» nur Verachtung übrig haben. Statt, wie heute Berlusconi, die Theater, Orchester und Museen des Landes (nicht nur die großen!) durch eine aggressive Kürzungspolitik in den Ruin zu treiben, herrschte seinerzeit Aufbruchstimmung. Besonders in der Provinz.
Denn es waren vor allem die entlegenen, vernachlässigten Regionen zwischen dem Trentino und Sizilien, die vom politischen Klimawandel in Italien profitierten. Bei den Parlamentswahlen 1976 hatten die Eurokommunisten unter Enrico Berlinguer mehr als ein Drittel der Stimmen gewonnen. Selbst die in Rom etablierte Democrazia Cristiana kam an der neuen Kraft nicht länger vorbei. Und musste mit ansehen, wie Künstler, Intellektuelle und selbst Staatsdiener plötzlich «Kultur für alle» forderten. Es war die Zeit, als Luigi Nono von der ästhetischen Erziehung der Arbeiterklasse träumte, als Claudio Abbado und Maurizio Pollini in Fabrikhallen konzertierten – und als der aus der westfälischen ...
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Frau Silja, in unserem letzten «Opernwelt»-Gespräch, das 1994 erschien, sagten Sie, es reize Sie auf der Bühne nur noch das «Unmachbare». Was ist das konkret?
Das «Unmachbare» ist nicht erklärbar, ebenso wenig wie die großen Gefühle. Sie trotzdem ohne falsches Pathos umzusetzen, ist für mich das Faszinierende der Oper.
Sie haben sich vor einigen Jahren taufen...
Lord Ashburton, Schirmherr der Grange Park Opera, arbeitete 39 Jahre lang als Investment Banker. In seinem Geleitwort zur aktuellen Spielzeit spricht er vor allem von der Finanzkrise. Das von Wasfi Kani seit zwölf Jahren geleitete Festival in Hampshire ist nur
lebensfähig, wenn sich die Karten (aktuell zu Preisen zwischen 50 und 115 Pfund) verkaufen lassen und...
Die Hälfte der Opern, die in diesem Sommer in Glyndebourne auf dem Programm stehen, darunter zwei der drei neuen Produktionen, wurden von Regisseuren betreut, die aus der britischen Schauspielszene kommen. Durch Experimentierlust ist keiner von ihnen aufgefallen. «Moderne» Regieperspektiven passen offenbar nicht mehr zum ästhetischen Selbstbild des Festivals....
