Wozzecks Verwandte?
George Gerswhin hob die Hand, um sie wie ein Falke auf die Tasten des Klaviers niederstürzen zu lassen. Doch plötzlich hielt er inne. «Eines noch, Rouben», sagte er, «es muss dir klar sein, dass das eine ganz schwierige Partitur ist. Eigentlich ist sie unmöglich. Kann man denn Wagner überhaupt auf dem Klavier spielen? Und das hier ist wie Wagner.» Vom Regisseur Rouben Mamoulian stammt diese Anekdote über jenen Abend, an dem Gershwin ihm erstmals Musik aus «Porgy and Bess» vorspielte.
Sie erzählt von der ernsten Dringlichkeit des Stücks – eine Qualität, die ebenso gut auf die Interpretationen von Nikolaus Harnoncourt passt.
Der Dirigent wehrt sich gegen eine Rezeption, die «Porgy and Bess» allzu sehr in Richtung Musical drängt. Mit Leidenschaft verweist er darauf, dass es sich um eine echte Oper mit avancierter musikalischer Textur und einer unglaublich differenzierten Instrumentation handelt (die im Unterschied etwa zur «Rhapsody in Blue» vom Komponisten selbst stammte). Wagner lässt in dieser Oper nicht nur durch Leitmotivvernetzung grüßen; die Partitur hatte ursprünglich auch Wagner’sche Längen – vier Stunden Spieldauer bei der Uraufführung am 30. September 1935 in Boston. Für ...
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Auf ein Neues! Der Freiburger «Ring» ist auf seiner dritten Station bereits bei seinem dritten Dirigenten angekommen. Fabrice Bollon, seit dieser Saison GMD, wird das Unternehmen auch 2010 zum Zyklus bündeln. Wie er und das propere Philharmonische Orchester Freiburg nun den «Siegfried» ausbreiteten, das ist schlicht bravourös. Diese Wagner-Deutung mag anfangs zum...
Frau Silja, in unserem letzten «Opernwelt»-Gespräch, das 1994 erschien, sagten Sie, es reize Sie auf der Bühne nur noch das «Unmachbare». Was ist das konkret?
Das «Unmachbare» ist nicht erklärbar, ebenso wenig wie die großen Gefühle. Sie trotzdem ohne falsches Pathos umzusetzen, ist für mich das Faszinierende der Oper.
Sie haben sich vor einigen Jahren taufen...
Die Zweifel, die Händel-Forscher Rainer Heyink im Booklet der Neueinspielung am mutmaßlichen Auftraggeber des «Rodrigo» äußert, scheinen nur allzu berechtigt: Sollte der toskanische Großherzog Ferdinando de Medici wirklich eine Oper bestellt haben, in der ausgerechnet der Herrscher als ziemlicher Versager porträtiert wird? Bei der Florentiner Uraufführung 1707...
