Wozzecks Verwandte?
George Gerswhin hob die Hand, um sie wie ein Falke auf die Tasten des Klaviers niederstürzen zu lassen. Doch plötzlich hielt er inne. «Eines noch, Rouben», sagte er, «es muss dir klar sein, dass das eine ganz schwierige Partitur ist. Eigentlich ist sie unmöglich. Kann man denn Wagner überhaupt auf dem Klavier spielen? Und das hier ist wie Wagner.» Vom Regisseur Rouben Mamoulian stammt diese Anekdote über jenen Abend, an dem Gershwin ihm erstmals Musik aus «Porgy and Bess» vorspielte.
Sie erzählt von der ernsten Dringlichkeit des Stücks – eine Qualität, die ebenso gut auf die Interpretationen von Nikolaus Harnoncourt passt.
Der Dirigent wehrt sich gegen eine Rezeption, die «Porgy and Bess» allzu sehr in Richtung Musical drängt. Mit Leidenschaft verweist er darauf, dass es sich um eine echte Oper mit avancierter musikalischer Textur und einer unglaublich differenzierten Instrumentation handelt (die im Unterschied etwa zur «Rhapsody in Blue» vom Komponisten selbst stammte). Wagner lässt in dieser Oper nicht nur durch Leitmotivvernetzung grüßen; die Partitur hatte ursprünglich auch Wagner’sche Längen – vier Stunden Spieldauer bei der Uraufführung am 30. September 1935 in Boston. Für ...
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Feinste Nuancen, souverän modelliert. Und doch schwingt der Drive der Bizet’schen Hit-Nummern ungebremst aus. Die bukolischen Klänge zu Beginn der Schmugglerszene hoch in den Bergen zum Beispiel sind von erlesener Delikatesse. Selbst das emotional explodierende, heftige Ende kommt gestochen scharf, ohne jede grelle Drastik. Erst recht ohne bruitistische Gewalt....
