Scherzo im Container
Auf ein Neues! Der Freiburger «Ring» ist auf seiner dritten Station bereits bei seinem dritten Dirigenten angekommen. Fabrice Bollon, seit dieser Saison GMD, wird das Unternehmen auch 2010 zum Zyklus bündeln. Wie er und das propere Philharmonische Orchester Freiburg nun den «Siegfried» ausbreiteten, das ist schlicht bravourös.
Diese Wagner-Deutung mag anfangs zum überkorrekten Nachbuchstabieren neigen – sie hat gleichwohl beträchtliches Format, stellt vor allem die nach zwölfjähriger Kompositionspause gereiften Mittel aus und platziert im dritten Akt ein paar überwältigend ausholende emotionale Höhepunkte. Insgesamt dominiert indes der gerade in den Holzbläsern minuziös ausgetüftelte und nicht selten brillant zugeschliffene Scherzo-Charakter des Werks. Ähnlich wie schon im «Freischütz»: ein deutlich konturierter, merklich aufgehellter, vielleicht tatsächlich «französischer» Klang mit denkbar sensibler Feinzeichnung – so bei Mimes Bericht von Siegfrieds Geburt.
Hier, in den nachdenklichen tenoralen Lyrismen, hat auch Gunnar Gudbjörnssons Titelheld schöne, innige Momente. Ansonsten ist dieser massige Shorts-Teenie der vokale Problemfall der Aufführung. Gerade weil er an Berghaus’ und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Hälfte der Opern, die in diesem Sommer in Glyndebourne auf dem Programm stehen, darunter zwei der drei neuen Produktionen, wurden von Regisseuren betreut, die aus der britischen Schauspielszene kommen. Durch Experimentierlust ist keiner von ihnen aufgefallen. «Moderne» Regieperspektiven passen offenbar nicht mehr zum ästhetischen Selbstbild des Festivals....
Ein Wurf? Wenn man «Hamlet» mit den Meisterwerken von Hans Werner Henze oder mit Aribert Reimanns «Lear» vergleicht – dann gewiss nicht. Doch mit sonstigen Berliner Uraufführungen kann sich die neue Oper von Christian Jost ohne Mühe messen. Der Publikumserfolg des Premierenabends galt neben dem pragmatisch zupackenden Gestus vor allem der Tatsache, dass hier...
Im Musiktheater steht der Mythos von Orpheus und Eurydike derzeit wieder hoch im Kurs: In einer Gesellschaft, in der jede dritte Ehe geschieden wird, inspiriert die Trennung von Mann und Frau auch Komponisten. Und das umso mehr, als die bisherigen Orpheus-Opern durchaus noch Platz für neue Gewichtungen lassen: Interessierten sich Monteverdi und Gluck noch...
