Licht des Südens
Sollte die Musikgeschichtsschreibung ein Genie übersehen haben? Domènec Terradellas wurde 1713 in Barcelona geboren und starb 38 Jahre später in Rom. Seine dreiaktige Metastasio-Oper «Artaserse», 1744 für Venedigs Teatro San Grisostomo komponiert, lässt gleich mit ihrer Eingangsarie aufhorchen. Überrascht vernimmt man in Melodieführung, Harmoniebildung und Verzierungstechnik eine ganz eigene Stimme, die in keiner Weise an Händel, Vivaldi, Hasse & Co erinnert. Und doch hat Terradellas’ überwältigender Ideenreichtum nichts Tastendes.
Sieghaft und souverän schöpft er aus einer fast Mozart’schen Gedankenfülle. Jede Arie zieht den Hörer in eine andere Stimmung hinein, präsentiert eine andere Farbe, macht eine neue Zauberkiste auf. Nichts klingt routiniert oder wie von der Stange. Selbst die Rhythmen, die einen unwillkürlich mitwippen lassen, wechseln ständig. Jeder Arie scheint ein anderer Tanz unterlegt zu sein. Terradellas ist schließlich Spanier. Da liegt der Flamenco im Blut. Und wenn der Jüngling Arbace – fälschlich der Verbrechen seines Vaters angeklagt, den er mit seinem Schweigen deckt – zum Tode verurteilt wird, dann singt er seine Abgangsarie in der Manier eines ...
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