Laboratorium der Gefühle
Er hat es geschafft, wieder einmal. In einem unmöglichen, halb verunglückten, krausen Kunstwerk den zeitlos gültigen Kern freizulegen. Zu jenen verborgenen Kräften vorzudringen, die von Anbeginn die menschliche Existenz befeuern – im Guten wie im Schlechten. Liebe und Hass, mit allen Zwischentönen – das ist das große, nie erledigte Thema, dem sich Christof Loy aussetzt, seit er vor bald drei Jahrzehnten mit Mozarts «Zauberflöte» in Stuttgart seine erste Oper inszenierte.
Warum tun Menschen sich Gewalt an? Wie kommt es, dass beste Absichten so oft zu Angst, Schrecken und Zerstörung führen? Was sollte, was kann man tun, um das Schlimmste zu verhindern? Loy stellt Überlebensfragen, und er führt sie bei jedem neuen Stück, mit dem er sich beschäftigt, gleichsam auf den Nullpunkt zurück. Bis, um ein Wort von Klaus Zehelein zu paraphrasieren, Text und Noten die Augen aufschlagen, ihr Untergründiges, Unbewusstes zutage tritt.
Natürlich ist das alte Schule: forschende Sinnstiftung durch Tiefenbohrungen mit philologisch-psychologischem Feinbesteck, Versenkung des Selbst in die Eigenwelt der überlieferten Stoffe, Motive, Klänge, Figuren. Loy versteht sich nicht als Autor, der Sperriges, ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann
Die Stücke, die Kurt Weill nach seiner Vertreibung aus Nazi-Deutschland für den Broadway schrieb, wurden, da dem Kultur- und Lebensstil Amerikas verpflichtet, in Europa lange kaum beachtet, tauchen aber inzwischen doch häufiger auf den Spielplänen auf – zuletzt «Love Life» in Freiburg (siehe OW 2/2018). Jetzt zieht Münster mit der 1947 uraufgeführten, nach wie vor...
Manchmal ist das Ferne ganz nah. Fährt direkt unter die Haut, bis wir nicht ein noch aus wissen. Bis wir zu fragen vergessen, warum uns eine mehr schlecht als recht erzählte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert den Atem stocken lässt. Eine Geschichte, die auf einer Insel im Indischen Ozean spielt (Ceylon) – mit einem von geistergläubigem Volk auserwählten König...
Antonio Vivaldis Oper über den illyrischen Bauernsohn Giustino, der 518 den oströmischen Kaiserthron bestieg, ist ein bühnenwirksames Spektakel, das nach zahlreichen kriegerischen Verwicklungen und erotischen Intrigen schließlich zu einem Happy End führt. Der Librettist plünderte ein älteres Textbuch (das Händel erneut benutzen sollte), der Komponist übernahm die...
