Bittersüßer Reigen
Manchmal ist das Ferne ganz nah. Fährt direkt unter die Haut, bis wir nicht ein noch aus wissen. Bis wir zu fragen vergessen, warum uns eine mehr schlecht als recht erzählte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert den Atem stocken lässt.
Eine Geschichte, die auf einer Insel im Indischen Ozean spielt (Ceylon) – mit einem von geistergläubigem Volk auserwählten König (Zurga), der unerwartet seinen verlorenen Busenfreund wiedertrifft, einen Fischer (Nadir); mit einer Schönheit, die einst von beiden umschwärmt wurde und nun dem Hindu-Gott Brahma ewige Treue schwört (Léïla); und mit einem Großpriester, der von jedem Blutzoll fordert, der die heiligen Gesetze bricht (Nourabad). Ein abenteuerlicher Schmarren. Und doch: Am Ende reiben wir uns ergriffen die Augen – verblüfft, überwältigt und noch immer rätselnd, warum dieses holprige, vor allem wegen seiner herrlichen Wunschkonzertnummern gern ins Programm gerückte Dreiecksdrama in den Tropen plötzlich packt, ja absolut schlüssig wirkt.
Vielleicht hat das mit der liebevollen, scheinbar naiven Sympathie zu tun, die Marie Vinck, Stef Aerts, Thomas Verstraeten und Joé Agemans, die vier Mitglieder der seit zehn Jahren aktiven ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Albrecht Thiemann
Frau Fassbaender, Frau Mallwitz, der verstorbene Kulturmanager und Intendant Gerard Mortier hat einmal die Forderung formuliert, Oper müsse ein Ort sein, der gegen die materialistische Gesellschaft vorgeht. Stimmen Sie dem zu? Oder ist Oper einfach nur ein Ort, der stimuliert, sinnliche Erfahrungen produziert, also vor allem kulinarische Bedürfnisse bedient?
B...
Ein Hund als Opernheld? Es gibt (fast) nichts, was es nicht gibt. In Offenbachs opéra bouffe aus dem Jahre 1860 kommt es noch bunter: Der vierbeinige Titelheld tritt gar nicht auf, es wird nur über ihn berichtet. Die wahren Hauptpersonen sind zwei gewitzte Mädchen aus der Stadt Lahore im heutigen Pakistan.
Doch wie kam Offenbach auf den Hund? Nach einigen...
Das Unheil kündigt sich mit leisen, beinahe zarten Klängen an. Kaum merklich schickt die Tuba dunkle Töne aus der Tiefe des groß besetzten Orchesters. Es stimmt etwas nicht mit diesem Fluss, der da erhaben, in bühnenbreiten Video-Bildern (Arian Andiel) strömt. Bald schieben sich Bläser bedrohlich vor, knistern Dissonanzen, und aus dem Off dringen die Geräusche...
