Pures Vergnügen
Antonio Vivaldis Oper über den illyrischen Bauernsohn Giustino, der 518 den oströmischen Kaiserthron bestieg, ist ein bühnenwirksames Spektakel, das nach zahlreichen kriegerischen Verwicklungen und erotischen Intrigen schließlich zu einem Happy End führt. Der Librettist plünderte ein älteres Textbuch (das Händel erneut benutzen sollte), der Komponist übernahm die Hälfte der Arien aus früheren Werken. In ihnen klingt noch die bunte Opernwelt des venezianischen 17.
Jahrhunderts mit ihrem märchenhaft-fantastischen Zuschnitt nach, während die großen Da-Capo-Arien für Giustino und seine Frau Leocasta dem neuen, rationalistisch-moralischen Erfolgsmodell der neapolitanischen Seria folgen.
Aus der Not des Fledderns wird in diesem Fall eine Tugend und der Arienverschnitt, so der Vivaldi-Forscher Reinhard Strohm, zur «überzeugenden Oper», die die scheinbar zufälligen Fäden des Allegorischen, Exotisch-Fantastischen, Erotisch-Amourösen und Sentimentalen zu einer auch dramaturgisch runden Handlung bündelt. Wer noch mit der arg schablonenhaften Musik der gerade in Schwetzingen aufgeführten Vivaldi-Oper «La verità in cimento» im Ohr zur Neuaufnahme des «Giustino» unter der temperamentvollen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 16
von Uwe Schweikert
Ganz schnell kann so etwas gehen, innerhalb einer Woche. Einmal «La Bohème», einmal «La sonnambula», eine Rossini-Farce, das Neujahrskonzert, und Termin für Termin, salamitaktisch, wird die Erinnerung an Gustav Kuhns musikalisches Wirken gelöscht. Verantwortlich dafür: Paolo Carignani, Friedrich Haider, Oksana Lyniv und Patrick Hahn. Und eine Übergangsregierung...
JUBILARE
Dietrich W. Hilsdorf studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main. Danach folgten Regieassistenzen, u. a. bei Hans Neuenfels. Seit 1978 erarbeitete der gebürtige Darmstädter zahlreiche Inszenierungen in den Bereichen Theater, Oper und Musical. Anfang der 1980er-Jahre wandte sich Hilsdorf verstärkt dem...
Die Katze hat sieben Leben. Asmik Grigorian hat deren drei. Eines als gefeierte Sängerin, eines als Mutter und eines als Ehefrau des russischen Regisseurs Vassily Barkhatov. Die litauische Sopranistin geht in allen drei Welten auf, ohne Wenn und Aber. In ihr paaren sich scharfer Verstand und ein Hang zur Sentimentalität. Hier gibt sie Auskunft über Erfolge und...
