Pures Vergnügen
Antonio Vivaldis Oper über den illyrischen Bauernsohn Giustino, der 518 den oströmischen Kaiserthron bestieg, ist ein bühnenwirksames Spektakel, das nach zahlreichen kriegerischen Verwicklungen und erotischen Intrigen schließlich zu einem Happy End führt. Der Librettist plünderte ein älteres Textbuch (das Händel erneut benutzen sollte), der Komponist übernahm die Hälfte der Arien aus früheren Werken. In ihnen klingt noch die bunte Opernwelt des venezianischen 17.
Jahrhunderts mit ihrem märchenhaft-fantastischen Zuschnitt nach, während die großen Da-Capo-Arien für Giustino und seine Frau Leocasta dem neuen, rationalistisch-moralischen Erfolgsmodell der neapolitanischen Seria folgen.
Aus der Not des Fledderns wird in diesem Fall eine Tugend und der Arienverschnitt, so der Vivaldi-Forscher Reinhard Strohm, zur «überzeugenden Oper», die die scheinbar zufälligen Fäden des Allegorischen, Exotisch-Fantastischen, Erotisch-Amourösen und Sentimentalen zu einer auch dramaturgisch runden Handlung bündelt. Wer noch mit der arg schablonenhaften Musik der gerade in Schwetzingen aufgeführten Vivaldi-Oper «La verità in cimento» im Ohr zur Neuaufnahme des «Giustino» unter der temperamentvollen ...
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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 16
von Uwe Schweikert
Wer tief in die deutsche Seele blicken will, muss bei Mitternacht in die Wolfsschlucht. Jenes vermeintlich schicksalsschwere c-Moll-Gebiet, dessen Konturen erst sichtbar werden, nachdem sich der fis-Moll-Nebel verzogen hat und Samiel auf den Plan tritt. An diesem schauderhaften Ort samt seiner meteorologischen Unmöglichkeit (zwei Gewitter zucken gleichzeitig aus...
Das Unheil kündigt sich mit leisen, beinahe zarten Klängen an. Kaum merklich schickt die Tuba dunkle Töne aus der Tiefe des groß besetzten Orchesters. Es stimmt etwas nicht mit diesem Fluss, der da erhaben, in bühnenbreiten Video-Bildern (Arian Andiel) strömt. Bald schieben sich Bläser bedrohlich vor, knistern Dissonanzen, und aus dem Off dringen die Geräusche...
Also schön, spielen wir das Spiel vom Tod. Tun wir so, als ob die Musik zu ihrem Recht käme und der Verschwörerwille an sein Ziel: den Herrscher zu stürzen, wie auch immer es geschehe. Geben wir ihnen, wonach ihr Sinn begehrt, führen wir sie aufs Glatteis ihrer Wahrnehmung, legen wir, hämisch grinsend, ihre tiefsten Wünsche frei ...
Es ist die Perfidie in...
