Kostbare Funde
Im Jargon der Musikkritik hat der Begriff «Legende» einen festen Platz, wird dort aber meist im Stil unkritischer PR angewandt. Legenden sind Berichte von Heldentaten und Wundern, die von der Nachwelt nicht mehr überprüft werden können. Danach ist wohl Maria Malibran eine Legende, dagegen Adelina Patti nur eine halbe, denn es gibt etliche Aufnahmen der sechzigjährigen Sängerin, die ihren Gesangsstil dokumentieren, aber nichts von der Faszination ahnen lassen, die die Zwanzigjährige auf ihre Zeitgenossen ausgeübt haben muss.
Auch Caruso ist nur eine halbe Legende, denn wir wissen genau, wie er große Arien und Szenen gesungen, nicht aber, wie er in einer kompletten Rolle auf der Bühne gewirkt hat. Domingo, Pavarotti & Co. sind entgegen der Reklame alles andere als Legenden, denn sie haben vor allem in der Spätphase ihrer Karrieren so gut wie jeden ihrer Auftritte in Ton und/oder Bild festgehalten.
Wie steht es nun aber mit einer Sopranistin, die ein führender englischer Musikkritiker als «die größte Stimme, die ich je gehört habe» hervorhebt, und einem Bassisten, den Birgit Nilsson als «die schönste Bassstimme der Welt» bezeichnete, wenn von beiden Sängern praktisch keine Dokumente ...
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