Flotte Artistik, beklemmende Seelenschau
Der französische Regisseur Laurent Pelly zeigt in seiner Amsterdamer Produktion von Prokofjews «Die Liebe zu den drei Orangen» aus dem Jahr 2005 Personen, deren Leben durch ein Kartenspiel bestimmt wird – jenes, mit dem die Hexe Fata Morgana und der Zauberer Tschélio zu Beginn um das Schicksal des Königreichs und des Prinzen pokern. Durch diese Grundkonstellation wirkt der Plot dieses subversiven Werks so raffiniert wie absurd. Pellys Inszenierung unterstreicht die Willkür der ganzen Handlung noch.
Zudem lässt das kongeniale Bühnenbild von Chantal Thomas – überdimensionale Spielkarten in jedem erdenklichen Arrangement und von mannigfaltiger Bühnenwirkung – das konsequent Antipsychologische, um das es Prokofjew ging, noch einmal programmatisch hervortreten: Die klischeehaften Protagonisten dieser Commedia-dell’arte-Adaption sind als Individuen völlig uninteressant. Wie die Spielkarten des Bühnenbilds scheinen sie außer der dem Publikum zugewandten Seite nur noch eine Rückseite zu besitzen, die bei allen gleich gemustert ist – alle Figuren stammen schließlich aus dem gleichen Kartenset, der gleichen Theater-Traumfabrik. Die DVD, die dies nun eingefangen hat, ist hervorragend ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die «Hänsel und Gretel»-Inszenierung von Katharina Thalbach war zunächst als zuckersüßes Vorweihnachtsvergnügen angelegt. Die fantasievoll-üppigen Bilder Ezio Toffuluttis boten einen veritablen Augenschmaus, den man harmlos nennen kann, der das Opernerlebnis aber durchaus intensivierte. Überzeugend geriet dann jedoch die Balance zwischen dieser gefälligen Seite...
Als Carl Orff nacheinander die Dramen «Antigonae» und «Oedipus der Tyrann» von Sophokles sowie den «Gefesselten Prometheus» von Aischylos auf die Bühne brachte, da feierten seine Anhänger, darunter so prominente Lobredner wie der Tübinger Altphilologe Wolfgang Schadewaldt und der Münchner Musikologe Thrasybulos Georgiades, diesen Austritt aus der Moderne als...
Monteverdi mit Jean-Claude Malgoire und Joachim Schlömer in Stuttgart («L’Orfeo») oder unter Attilio Cremonesi in Genf (Nerone in «Poppea»), Händel in München («Acis e Galatea», «Ariodante») und New York («Rodelinda»), Rares von Ferrandini, Cavalli («La Calisto») oder Haydn («Il mondo della luna» unter René Jacobs), daneben immer wieder Mozart, etwa «Idomeneo» an...
