Flotte Artistik, beklemmende Seelenschau
Der französische Regisseur Laurent Pelly zeigt in seiner Amsterdamer Produktion von Prokofjews «Die Liebe zu den drei Orangen» aus dem Jahr 2005 Personen, deren Leben durch ein Kartenspiel bestimmt wird – jenes, mit dem die Hexe Fata Morgana und der Zauberer Tschélio zu Beginn um das Schicksal des Königreichs und des Prinzen pokern. Durch diese Grundkonstellation wirkt der Plot dieses subversiven Werks so raffiniert wie absurd. Pellys Inszenierung unterstreicht die Willkür der ganzen Handlung noch.
Zudem lässt das kongeniale Bühnenbild von Chantal Thomas – überdimensionale Spielkarten in jedem erdenklichen Arrangement und von mannigfaltiger Bühnenwirkung – das konsequent Antipsychologische, um das es Prokofjew ging, noch einmal programmatisch hervortreten: Die klischeehaften Protagonisten dieser Commedia-dell’arte-Adaption sind als Individuen völlig uninteressant. Wie die Spielkarten des Bühnenbilds scheinen sie außer der dem Publikum zugewandten Seite nur noch eine Rückseite zu besitzen, die bei allen gleich gemustert ist – alle Figuren stammen schließlich aus dem gleichen Kartenset, der gleichen Theater-Traumfabrik. Die DVD, die dies nun eingefangen hat, ist hervorragend ...
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Selbst von den Opernfreaks, die jeden Sommer nach Aix-en-Provence reisen, wissen es nur wenige: Neben den großen Festspielen gibt es dort eine kleine, feine Videothek. Die biedert sich gar nicht erst mit jener Konsumware der Marke Bocelli oder Open-Air-Classics an, die international die Regale der Plattenläden vollmüllt. Stattdessen setzt sie auf die Geschichte...
Es gehört zum Wesen guter Operetten, dass sie inhaltlich Gewichtiges ungestraft verlachen. An der elsässischen Opéra national du Rhin hat Regisseurin Mariame Clément diesen Nerv von Offenbachs «La belle Hélène» getroffen, indem sie die Handlung vom Mythos der Antike durch einen Mythos unserer Tage ersetzte – das Hollywood der zwanziger Jahre (opulente Ausstattung:...
Grüne Hügel gibt es nicht mehr. Eine Katastrophe, wahrscheinlich ein Atomunfall, hat alles in eine Sandwüste verwandelt. Zwei riesige Erdberge bestimmen die Szenerie. Das lautstarke Geschrammel und Gewimmere einer E-Gitarre zerreißt die Stille. Figuren mit bleichen Gesichtern und schwarz umränderten Augen wühlen sich aus dem Sand heraus. Und die E-Gitarre intoniert...
