Kopftheater
Kitsch, lässt Pascal Mercier in «Nachtzug nach Lissabon» seinen Goldschmied der Worte, Amadeu Prado, formulieren, sei das tückischste aller Gefängnisse. Denn die Gitterstäbe seien mit dem Gold vereinfachter, unwirklicher Gefühle verkleidet, sodass man sie für Säulen eines Palasts halte. Unwirkliche, geborgte Gefühle sind auch das «Arbeitsmaterial» des egozentrischen Schriftstellers Gregor Mittenhofer in Hans Werner Henzes «Elegie für junge Liebende».
Er leiht sie sich etwa von der leicht verrückten Witwe Hilda Mack (koloraturrabiat: Laura Aikin), die seit vier Jahrzehnten auf die Rückkehr ihres am Berg verschollenen Verlobten wartet.
Mittenhofers Sprache atmet Klimt’schen Goldglanz. Zugleich scheint sie in ihrer Künstlichkeit vernutzt (was die Librettisten WH Auden und Chester Kallman wohl beabsichtigt haben). Kein Zufall, dass man an «Jedermann» denkt – changiert das Klima des Stücks doch zwischen Hofmannsthal und Luis Trenker. Genau dies scheint Keith Warner bei seiner Inszenierung im Theater an der Wien auch aufs Korn genommen zu haben. Wobei er Ironie nicht direkt verschießt, sondern subtil zwischen die Zeilen sickern lässt. Es Devlins Bühne verzerrt Alltagsgerät vom ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Gerhard Persché
Sie war der in der neueren Operngeschichte einmalige Fall einer Primadonna, die trotz einer Weltkarriere, die u. a. an die Metropolitan Opera New York und die Mailänder Scala führte, über mehr als drei Jahrzehnte festes Mitglied eines Hauses blieb, der Deutschen Oper Berlin. Ich habe Pilar Lorengar (der Vor- wie der Nachname wird übrigens auf der letzten Silbe...
Wenn das Land nach Dauerregen vom Sommer erfasst wird, treiben Englands Gärten aus wie kleine Tropenwälder. Saftig leuchtet Glyndebournes gestreifter Rasen. Jenseits des Ha-Has üben halbwüchsige Lämmer Bocksprünge, während im Kamin des Organ Rooms die Tauben gurren: Der Landsitz der Christies zeigt sich für Cavallis «Hipermestra» von seiner schönsten Seite.
Zwisch...
Brittens «A Midsummer Night’s Dream» entstand im Winter 1959/60 zur Eröffnung der Jubilee Hall in seinem Wohnort Aldeburgh. Trotz der erweiterten Orchesterbesetzung handelt es sich bei dem (die Shakespeare-Vorlage geschickt kürzenden) Stück um eine Kammeroper, die in Mainz – vom Hausregisseur Niklaus Helbling inszeniert – nicht auf der großen Bühne, sondern im...
