Die geistige Dimension der Musik
Opern hat er kaum dirigiert. «Zauberflöte», «Entführung», «Fidelio», «Euryanthe», «Eugen Onegin», «Pelléas et Mélisande» – das war’s. Dennoch ist Herbert Blomstedt zutiefst geprägt von der vokalen Tradition. Sein Studium der Chorleitung und der Besuch einer Kantorenklasse bewirkten in Verbindung mit Schwedens Chortradition, dass ihm in jungen Jahren der Gesang als Grundmuster allen Musizierens aufging. «Seither singe ich sehr gerne, wenn auch nicht gut», gesteht der praktizierende Adventist Blomstedt. «Man muss auch die Instrumente spielen, als wenn man singt.
»
Lange Jahre in Dresden und Leipzig bestätigten ihm diese Auffassung; die besondere Qualität von Staatskapelle und Gewandhausorchester sei auch darauf zurückzuführen, dass viele Musiker beim Kreuzchor und bei den Thomanern ein natürliches Phrasieren gelernt haben. Blomstedt spricht gern von seiner Zeit in der DDR, von jener existentiellen Unbedingtheit und ungeheuren Disziplin, mit der sich Dresdens Staatskapelle auf die Musik stürzte, um den Zwängen des politischen Alltags zu entgehen. Das Leipziger «Projekt» ab 1998 stand hingegen unter gänzlich anderen Vorzeichen. Blomstedt musste das Personal behutsam verjüngen, bemühte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Volker Tarnow
Der Film zeigt sein Lebenswerk. Kein Wunder, dass Toni Schmid ein wenig angespannt ist. «Ganz große Oper» heißt der Streifen, eine 90-minütige Hochglanzdokumentation über die Bayerische Staatsoper. Seit Anfang Juni läuft sie in rund 80 Kinos. Die Premiere beim Dok.Fest München fand auf der Bühne der Staatsoper statt. Das schafft nicht jeder.
Ein Bildband für die...
Manchmal dokumentieren DVD-Mitschnitte aus großen Häusern, dass dort auch nur mit Wasser gekocht wird – wie in der Provinz. Etwa wenn es um Verdi geht. Erstes Beispiel: «I due Foscari» am Royal Opera House in London. Ein finsteres Kammerspiel machtpolitischer Ränke, mit dem Verdi die Choropern seiner Anfänge endgültig hinter sich ließ. Thaddeus Strassberger...
Anfangs hatte es Iko Freese mit der Oper nicht leicht. «Ich war ein Theaterjunkie, sagt er lachend, «und vom Schauspiel kommend fand ich sehr befremdlich, was die Sänger auf der Opernbühne machten. Keiner bewegte sich, es wurde viel herumgestanden, es ging nie um authentische Emotionen. Ich habe es gehasst, wenn mich ein Auftraggeber in die Oper schickte. Die Musik...
