Grober Unfug
«Ariadne auf Naxos», jene «kleine Zwischenarbeit» des Erfolgsduos Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal nach dem «Rosenkavalier» und vor der «Frau ohne Schatten», hat es in sich. Denn im Grunde handelt sie in der Theater-auf-dem-Theater-Situation von genau jenem Problem, mit dem jeder Regisseur des Werks ganz real zu ringen hat: der Gleichzeitigkeit von ernster Oper und Buffa-Heiterkeit. Zumal dem heiklen Spiel mit Brechungen qua Rahmenhandlung eine weitere Ebene eingezogen ist. Gefragt sind Geschmack, klare Gewichtung sowie sicheres Gespür für ironische Zwischentöne.
Kein Regiebeil.
Joan Anton Rechi enttäuscht mit seiner krachledernen Aachener Deutung umso mehr, als er kürzlich in Duisburg eine klug durchdachte, feinsinnig mit den Klischees spielende «Madama Butterfly» inszeniert hat. Stur beharrt er auf der deftigen Buffa, in der gefühlt alle drei Sekunden die fünf Türen von Alfons Flores’ dreieckigem Einheitsbühnenraum – eine Art Vorzimmer anscheinend – klappern, Damenröcke in Herren-Hosen-Reißverschlüssen klemmen und die Auftritte der Ariadne, der Nymphen und des Bacchus nur platteste Parodie bereithalten.
Dabei fängt der Abend gut, mit kritischen Untertönen an: Der ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Regine Müller
Die Auguren sind sich einig: Das Diaghilev-Festival in Perm ist derzeit das facettenreichste, provokanteste Forum für Kultur in Russland, weil es – vor dem Hintergrund der allgemeinen Sowjetisierung – eine besondere Atmosphäre in der Stadt schafft, Künstler und Publikum zu einem organischen Ganzen verbindet.
Das zeigte sich bereits zum Auftakt beim 2016...
Die Entdeckungsreisen, zu denen der Palazzetto Bru Zane in reger Folge einlädt, sind hochwillkommenes Gegengewicht zur Routine des Repertoires. Nun eine Oper von Saint-Saëns aus dem Jahre 1887: «Proserpine» (in der zweiten Fassung von 1899). Das 1838 verfasste experimentelle Drama eines Hugo-Nachahmers hat in der Bearbeitung als Oper freilich viel von seiner...
Die Botschaft des Covers kommt an: Schau mir in die Augen, Kleiner! Machen wir gerne, Carolyn Sampson. Hören aber lieber zu, wenn die Sopranistin sich, in einem Live-Mitschnitt eines Konzerts in der Londoner Wigmore Hall, an Stücken von Henry Purcell, Giovanni Battista Draghi, Francesco Corbetta und Thomas Simpson ergötzt. Sie tut es mit britischer Dezenz,...
