Auf Armeslänge
Was hier wohl passiert ist? Man will es gar nicht genau wissen. Die Betondecke geborsten, die Kapelle auf der Bühne staubig, zerrupft und (leere Stühle signalisieren es) dezimiert. Ab und zu flackert das Licht, man hört ferne Detonationen und ein vorbeiziehendes Flugzeug. Es herrscht Krieg, ja gut. Aber wo? Offenbar nicht mehr draußen, auf dem Schlachtfeld, sondern drinnen. Nicht in diesem Café mit seinen weißen Stühlen und Tischen, sondern tiefer, vielleicht schlimmer, in den Schaltzentralen unter den Schädeldecken.
Manchmal erheben sich diese schwankenden Gestalten, stellen sich an zum Händewaschen, geraten unter den Augen der Krankenschwestern aneinander oder feiern ein wüstes Kostümfest inklusive Generalität und Riesentranse.
Eine Verlagerung des Schreckens ins eigene Hirn, der Alpdruck als Konsequenz aus Erlebtem, so neu ist das nicht. Aber was tun, wenn Tagesthemen und Heute-Journal Bilder liefern, gegen die keine Bühne ankommt? Insofern passt dieses Konzept für den Neunzigminüter «Simplicius Simplicissimus», der intime Schlaglichter auf den Dreißigjährigen Krieg wirft, aber für uns ja viel mehr und Aktuelleres beschwört – nicht nur das, was Karl Amadeus Hartmann während der ...
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Opernwelt Juli 2017
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Markus Thiel
Der Film zeigt sein Lebenswerk. Kein Wunder, dass Toni Schmid ein wenig angespannt ist. «Ganz große Oper» heißt der Streifen, eine 90-minütige Hochglanzdokumentation über die Bayerische Staatsoper. Seit Anfang Juni läuft sie in rund 80 Kinos. Die Premiere beim Dok.Fest München fand auf der Bühne der Staatsoper statt. Das schafft nicht jeder.
Ein Bildband für die...
«Die Stadt hat eine große und hohe Mauer mit zwölf Toren und zwölf Engeln darauf», verheißt es Johannes in seiner Offenbarung. Je drei in jede Himmelsrichtung. Bei Bronius Kutavičius öffnet sich Jerusalem allerdings nicht zu den Stämmen Israels, sondern in weite, weite Ferne: im Osten zur japanischen Gagaku-Musik, im Norden zu den Klängen der Karelier, im Süden zu...
Wie man heute noch Opern schreibt – darauf gibt Aribert Reimann seit 50 Jahren seine eigene Antwort. Zum postmodernen Musiktheater Hans Werner Henzes hält er die gleiche Distanz wie zu den Konzepten der Avantgarde. Reimann verteidigt eine Position des Personalstils, wie sie im Musiktheater um 1900, bei Debussy, Janáček oder Schönberg, eine kurze Blüte erlebte.
Was...
