Kontrastreich

Tavener: A Gentle Spirit
Walton: The Bear
GERA | THEATER

Opernwelt - Logo

Es ist ein Doppelabend, der kontrastreicher nicht sein könnte: Jenseits trifft auf Hier und Jetzt, Minimalismus auf Prunk und Protz, Ernsthaftigkeit auf Komik. Und doch haben «A Gentle Spirit» und «The Bear», Kammeroper und Extravaganza, eine Parallele: Ein Part eines Ehepaares ist nicht mehr, der oder die Zurückgebliebene muss einen Weg der Verarbeitung finden. Eine gelungene Paarung, die das Theater Altenburg Gera in der Inszenierung von Generalintendant und Operndirektor Kay Kuntze auf die Bretter schickt.

Das Ernsthafte macht den Anfang: «A Gentle Spirit» von John Tavener, basierend auf Fjodor Dostojewskis Erzählung «Die Sanfte». Ein Mädchen liegt auf der Bühne, schräg vor dem Orchestergraben. Tot. Es ist die Frau des Pfandleihers, die ihn aus Armut und Verzweiflung geheiratet hatte. Und er sie aus einem Gefühl der Überlegenheit heraus. Während der Mann immer noch mit einer Demütigung eines ausgeschlagenen Duells zu kämpfen hat, macht er seiner fast noch jugendlichen Frau die Ehe zum Martyrium: Er straft sie mit Schweigen. Sie verliert ihren Lebensmut, ihre Liebe. Und gerade, als er schlagartig erkennt, wie sehr er sie doch liebt, stürzt sie sich aus dem Fenster. Schwarz ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Katharina Stork

Weitere Beiträge
Anderssein als Passionsspiel

Die Wahnsinnsgeschichte des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz ist eine mehrfach überschriebene. Zum einen durch die historischen Dokumente über seine Flucht von der vergeblich geliebten, von Goethe – seinem Bruder im Geiste – ebenfalls angehimmelten Friederike Brion zu Pfarrer Johann Friedrich Oberlin in ein Vogesendorf und in die Abgründe seiner Seele. Zum...

Empfindsame Herzen

Als «Schöpfer eines ganz neuen Geschmacks» hat Christian Friedrich Daniel Schubart den von 1754 bis 1769 als Kapellmeister am württembergischen Hof wirkenden Niccolò Jommelli gerühmt. Was Schubart meinte, wird beim Hören der 1766 in Ludwigsburg uraufgeführten Oper «Il Vologeso» schnell deutlich. Der Stoff aus der antiken Geschichte samt seinem Happy End – der...

Liebe auf den ersten Ton

In seinem Buch mit dem vielsagenden Titel «Demented: The world of the Opera Diva» (London, 1984) schreibt der amerikanische Theaterhistoriker Ethan Mordden: «Die bösartigste aller Fehden zwischen zwei Diven ist eine, zu der es nie gekommen ist: die zwischen Maria Callas und Renata Tebaldi.» So muss das Vorurteil, das der «voce d’angelo» der Tebaldi die...