Kontrastreich
Es ist ein Doppelabend, der kontrastreicher nicht sein könnte: Jenseits trifft auf Hier und Jetzt, Minimalismus auf Prunk und Protz, Ernsthaftigkeit auf Komik. Und doch haben «A Gentle Spirit» und «The Bear», Kammeroper und Extravaganza, eine Parallele: Ein Part eines Ehepaares ist nicht mehr, der oder die Zurückgebliebene muss einen Weg der Verarbeitung finden. Eine gelungene Paarung, die das Theater Altenburg Gera in der Inszenierung von Generalintendant und Operndirektor Kay Kuntze auf die Bretter schickt.
Das Ernsthafte macht den Anfang: «A Gentle Spirit» von John Tavener, basierend auf Fjodor Dostojewskis Erzählung «Die Sanfte». Ein Mädchen liegt auf der Bühne, schräg vor dem Orchestergraben. Tot. Es ist die Frau des Pfandleihers, die ihn aus Armut und Verzweiflung geheiratet hatte. Und er sie aus einem Gefühl der Überlegenheit heraus. Während der Mann immer noch mit einer Demütigung eines ausgeschlagenen Duells zu kämpfen hat, macht er seiner fast noch jugendlichen Frau die Ehe zum Martyrium: Er straft sie mit Schweigen. Sie verliert ihren Lebensmut, ihre Liebe. Und gerade, als er schlagartig erkennt, wie sehr er sie doch liebt, stürzt sie sich aus dem Fenster. Schwarz ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Katharina Stork
Was wohl besser ist? Mit zwei Dutzend Mitbewerbern im Treppenhaus Schlange zu stehen vor der Mietwohnung respektive vor dem Makler, in der Tasche Lebenslauf und Kapitalnachweis? Oder nach der gleichen Warterei (und dem «ordentlichen» Schmieren der Verantwortlichen) ein Objekt zugeteilt zu bekommen, um schließlich im Plattenbau am Stadtrand zu landen? Ob Russland...
Da steht eine kaputte Kutsche im Winterwald von Fontainebleau, dem Ort der ersten Begegnung den spanischen Kronprinzen und seiner französischen Braut, die es nicht bleibt, weil die Politik dazwischenkommt und der König selbst zugreifen wird. Es ist dunkel – und heller wird es den ganzen langen Abend nicht mehr. Wir schauen in finstere Kloster- und...
Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen. In diesem Hause wohnte mein Schatz. Sie hat schon längst die Stadt verlassen. Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.» So heißt es – von Heinrich Heine getextet und von Franz Schubert düster, ostinativ und h-Moll-existenziell in Noten gesetzt – in dem «Schwanengesang»-Lied «Der Doppelgänger». Schon immer erinnerten...
