Editorial Februar 2022
Still ist die Nacht, es ruhen die Gassen. In diesem Hause wohnte mein Schatz. Sie hat schon längst die Stadt verlassen. Doch steht noch das Haus auf demselben Platz.» So heißt es – von Heinrich Heine getextet und von Franz Schubert düster, ostinativ und h-Moll-existenziell in Noten gesetzt – in dem «Schwanengesang»-Lied «Der Doppelgänger». Schon immer erinnerten uns Orte an einst hier stattgefundene Begebenheiten, schon immer boten sie zahlreiche Möglichkeiten der ausdifferenzierten «Ereignis-Wiederkehr im Kopfe». Auch gute Erinnerungen sind es. Manchmal.
Um im Bild zu bleiben: In dem «Winterreise»-Lied vom Lindenbaum auf einen Text von Wilhelm Müller erklingen in Schuberts Vertonung nostalgisch lockende E-Dur-Hornrufe, schmerzvoll-süße Terzen und warmfrühlingswindumflorte Sextbrechungs-Triolen im Klavier: «Ich schnitt in seine Rinde so manches liebe Wort.» Orte sind Melancholie-Trigger. Zweifelsohne. Doch ist es dabei egal, wie stark sich Orte im Laufe der Zeit verändern?
In Basel, wo demnächst eine szenische «Winterreise» stattfindet (die natürlich in unserer nächsten Ausgabe besprochen werden wird), saniert man seit 2014 Theatertechnik, äußere Gebäudehülle und Künstlerbereiche. ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Arno Lücker
Frau Dreisig, ich nehme unser Interview mit meinem Smartphone auf. Ist das in Ordnung für Sie?
Natürlich. Ich lege mein Handy bei den Proben immer in den Zuschauerraum.
Um dann mit dem Mitschnitt nachzuarbeiten?
Genau. Nach der Probe höre ich alles an. Und dann weiß ich genau, wo ich bei der Intonation aufpassen muss oder wo ich zu kräftig war.
Sie haben...
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Es ist angerichtet. Der Schaum gut verteilt über beide Wangen, das Messer gezückt, die Klinge gewetzt. Jetzt muss Sweeney Todd nur noch seines Amtes walten und einen gezielten (Schluss-)Strich ziehen, dann ist das Leben jenes Mannes, der seine Frau vergewaltigt (und damit in den Irrsinn getrieben) hat und nun kurz davor ist, sich auch die Tochter einzuverleiben,...
