Kein Himmel, nirgends

Verdi: Don Carlo
BONN | THEATER

Opernwelt - Logo

Da steht eine kaputte Kutsche im Winterwald von Fontainebleau, dem Ort der ersten Begegnung den spanischen Kronprinzen und seiner französischen Braut, die es nicht bleibt, weil die Politik dazwischenkommt und der König selbst zugreifen wird. Es ist dunkel – und heller wird es den ganzen langen Abend nicht mehr. Wir schauen in finstere Kloster- und Machtarchitekturen, Fenster vergittert, kein Blick nach draußen, kein Himmel, nirgends.

Das passt zu Verdis Pessimismus und zur Aussichtslosigkeit gerade dieses Stücks vom Scheitern von Liebe und Freiheit und von der Gnadenlosigkeit der Verhältnisse. Über «Don Carlo» kann man lesen, dass es darin zwar um Politik geht, wir aber vor allem auf Menschen sehen, die aus privaten Motiven handeln. Das stimmt. Schwächere Inszenierungen nehmen es beim Wort und versäumen, die Brisanz des Stücks, das Politische eben auch im Privaten aufzudecken. Diese, von Mark Daniel Hirsch am Theater Bonn, gehört dazu. Und weil Hirschs Figuren, in Helmut Stürmers effektvoll düsteren Bildern, zugleich auch auf der Bühne des Privaten fatal wenig miteinander anzufangen wissen, weil ihr bevorzugtes Habitat die Rampe ist, bleibt das Ergebnis der großen Anstrengung, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Holger Noltze

Weitere Beiträge
Impressum Februar 2022

63. JAHRGANG, NR 02
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN 0030-3690   |   Best.-Nr. 752352

REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12

redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de

REDAKTION
Arno Lücker, Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)

REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion@o...

Bilderfluten

Jetzt habe er die Faxen aber dicke von der Oper, sagte Markus Lüpertz während der Pressekonferenz am Premierenabend. Mehr als acht Wochen hat der 80-Jährige im Mal- und Probensaal des Meininger Staatstheaters durchgearbeitet, nun scheint er zufrieden mit seinem Versuch, Puccinis «La Bohème» auf die Bühne gebracht zu haben. Das Publikum jedenfalls zeigte sich vom...

Dreamland: insolvent

Vielleicht ist die Spitze des Bleistifts, mit dem François-Xavier Roth an diesem Abend dirigiert, der Fluchtpunkt, jedenfalls das Kraftzentrum des Ganzen. Vielleicht hat er kurz zuvor mit eben diesem Stift noch Ausrufezeichen und das eine oder andere «Voilà!» in Humperdincks Partitur hineingeschrieben. Immerhin zählt er «Hänsel und Gretel» zu den am besten...