Zimmer ohne Aussicht

Schostakowitsch: Moskau, Tscherjomuschki AUGSBURG | MARTINI-PARK

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Was wohl besser ist? Mit zwei Dutzend Mitbewerbern im Treppenhaus Schlange zu stehen vor der Mietwohnung respektive vor dem Makler, in der Tasche Lebenslauf und Kapitalnachweis? Oder nach der gleichen Warterei (und dem «ordentlichen» Schmieren der Verantwortlichen) ein Objekt zugeteilt zu bekommen, um schließlich im Plattenbau am Stadtrand zu landen? Ob Russland 1959 oder Deutschland 2021 – «Moskau, Tscherjomuschki» geht immer.

Dabei dreht sich die heiß laufende Satire, die Dmitri Schostakowitsch, befreit von lebensgefährlichen Anfeindungen zwei Jahrzehnte zuvor, in Chruschtschows Tauwetter-Periode herausbrachte, gar nicht um Wohnungsnot allein. Es ist der verächtliche Blick auf ein System, das mit Versprechungen lockt und Verheißungen behauptet, beim Realitätstest aber ständig durchfällt.

Auch da lassen sich also locker Parallelen zur Jetztzeit ziehen. Nicht umsonst kam das zweistündige Stück in den letzten eineinhalb Jahrzehnten unter anderem an der Semperoper, in Lyon, im Berliner Schillertheater, in Bregenz und auf der Studiobühne der Hamburgischen Staatsoper heraus. Auch Augsburg hat sein Tscherjomuschki, eine Trabantenstadt, die hier Herrenbachviertel heißt. Mit der ...

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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Markus Thiel

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