Kontraste
Zwei neue CD-Programme von zwei der besten Countertenöre unserer Tage mit Kompositionen aus dem 17. Jahrhundert. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Was Sängertypus, Konzeption und Interpretation betrifft, könnten die Produktionen kaum unterschiedlicher sein. Auf der einen Seite steht Max Emanuel Cencic, der mit knapp 40 Jahren schon zu den Altmeistern seines Fachs gehört. Auf der anderen der zehn Jahre jüngere Valer Sabadus – auch er mischt längst in der ersten Counter-Riege mit.
Sabadus singt Arien des Venezianers Antonio Caldara, und zwar ausschließlich solche, die für Gesangsstimme und konzertierende Soloinstrumente gesetzt sind. Ein Repertoire, das immer wieder mit besonderen Klangeffekten überrascht. Etwa mit der fast schon skurrilen Kombination von Traversflöte und Chalumeau in der bukolischen Nummer «Questo è il prato» (aus «Nigella e Tirsi»). Oder mit der wiederholten Verwendung des Salterios, einer Art Hackbrett, dessen quecksilbriger Klang eine ganz eigene Atmosphäre evoziert. Im Grunde haben wir es mit Duetten zu tun, in denen die Instrumente nicht selten die Grundstimmung der Stücke prägen. So teilt sich Sabadus die Bühne mit den hervorragenden ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Björn Woll
«Das Vertrauen junger Menschen erwirbt man am besten dadurch, dass man nicht ihr Vater ist»: Der Aphorismus von Henry de Montherlant könnte als Gebrauchsanweisung für Verdis «Luisa Miller» (1849) dienen. Luisa und ihr Geliebter Rodolfo würden dem Franzosen dafür vermutlich all die Rosen streuen, die in Paul Esterházys Grazer Inszenierung so reichlich appliziert...
Wer einen der populärsten Zeitromane der Weltliteratur vertont, hat einen Riesenvorteil: Jeder kennt den Stoff. Gerade bei zeitgenössischer Musik senkt das manche Schwelle. Mit dem Vorteil kommt aber auch ein Riesenproblem. Es bringt nämlich auch jeder eine ganz persönliche Vorstellung davon mit, welche Gestalt das Ganze annehmen sollte – und ist dann enttäuscht...
JUBILARE
Sie begann ihre Laufbahn als Sängerin im Alter von 18 Jahren als Solistin mit dem Roger Wagner Chorale in Los Angeles. Auf der Opernbühne debütierte die gebürtige Kalifornierin Carol Neblett 1969 mit der New York City Opera als Musetta in Puccinis «La Bohème». Während der folgenden fünf Jahre trat sie in mehr als 25 Partien mit der Kompanie auf, u. a. als...
