Überwurm

Verdi: Luisa Miller Graz / Opernhaus

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«Das Vertrauen junger Menschen erwirbt man am besten dadurch, dass man nicht ihr Vater ist»: Der Aphorismus von Henry de Montherlant könnte als Gebrauchsanweisung für Verdis «Luisa Miller» (1849) dienen. Luisa und ihr Geliebter Rodolfo würden dem Franzosen dafür vermutlich all die Rosen streuen, die in Paul Esterházys Grazer Inszenierung so reichlich appliziert werden, konkret wie symbolisch, frisch und verwelkt.

Denn die beiden jungen Menschen haben extreme Väter, das sanfte Mädchen (vorzüglich: Sophia Brommer) einen Gutmenschen par excellence, der feurig-pubertäre Knabe (José Manuel mit etwas enger Stimmführung) einen Brunnenvergifter und Mörder. Und beide Erzeuger werden vor allem durch ihre maßlos besitzergreifende Affenliebe zu Monstern.

Im Übrigen hat Verdis Librettist Salvatore Cammarano aus Schillers Trauerspiel um politische Kabale und standeswidrige Zuneigung, in dem bürgerliches Emanzipationsstreben sich zu Wort meldet, bloß die Liebesgeschichte herausdestilliert. Von der bei Schiller furiosen Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen bleibt bei Cammarano nur Rodolfos Bekenntnis (angesichts des nahen Todes), er habe stets die Unschuldigen und Unterdrückten mit seinem ...

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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Gerhard Persché

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